Abenteuer Topinambur!

Ein weiteres Highlight dieses Jahr – Topinambur! Es folgt eine Lobhudelei auf die schmackhafteste Knolle ever. Viel geiler als Kartoffeln. Selbstgeerntet.

Denn heute schlug die Stunde der Wahrheit für unsere verwelkteste Topipflanze. Etwa 20 Topisetzlinge pflanzten wir dieses Jahr im Inferno verde in ein eigens dafür angelegtes Beet. Das Internet ist ja skeptisch ob dieser Sonnenblume mit den schmackhaften Rhizomen, denn angeblich breiten sich Topinambur unkontrolliert und in atemberaubendem Tempo aus und reißen dann in der lokalen Flora und Fauna alsbald skrupellos die Weltherrschaft an sich, und lassen sie nie wieder los. Kurzum, es wird behauptet: Einmal Topinambur — immer Topinambur! Allerdings haben die Topinambur ihre Rechnung ohne uns gemacht — die verfressenen Topinamburfans!

Ich liebe Topinambur auf dem Teller. Die Knollen sehen aus, als hätten ein Stück Ingwer und eine Kartoffel sich vor neun Monaten sehr lieb gehabt. Geschmacklich hingegen tippe ich eher auf ein skandalöses Techtelmechtel zwischen einer Süßkartoffel und einer Haselnuss. Man kann Topis im Gegensatz zu Kartoffeln roh essen, aber auch braten, frittieren, backen oder kochen. Dann werden sie im Inneren weicher als Kartoffeln, geradezu cremigzart, und etwas süßlich. Was ich außerdem nicht unerwähnt lassen möchte, ist, dass Topinambur vor allem eines sind: arschteuer! Im Bioladen kostet ein Kilo um und bei zehn Euro. Im eigenen Garten kosten knapp zwei Kilo Topinambur ein paar Minuten Zeitaufwand fürs Einpflanzen, Gießen und Ernten.

Und deshalb riskierte ich crazy Huhn dieses Jahr den puren Wahnsinn: ich pflanzte im Sommer Topinambur in unseren Garten! Jawohl, richtig gelesen! Mittenrein! Ich sehe vor meinem geistigen Auge förmlich, wie die geneigte Leserschaft kollektiv laut hörbar die Luft zwischen den Zähnen einsaugt. Aber meine Güte, hallo? Eine verdammt gutaussehende, pompöse drei Meter hohe Pflanze, die absolut keine Ansprüche an Boden und Standort stellt, sich von alleine wie bescheuert ausbreitet, weder krankheits- noch „schädlings“anfällig, essbar und dazu extrem lecker PLUS gesund ist und die man im Herbst nur ernten muss, ohne sich in den Monaten vorher einen feuchten Kehricht um sie zu scheren. Wie geil ist das denn bitte? Sowas muss ich doch unbedingt haben! Und, um mal kurz zu resümieren, ich bereue es keinesfalls. Denn Topi ist die ganze Saison hindurch einfach toll:

Vorziehen im März oder so: Ganz einfach. Blumentopf, eine oder eine halbe Topiknolle rein, Erde drauf, Erde angefeuchtet halten, warten, Topi glotzt raus. Läuft.

Frühjahr: Topi nach den Eisheiligen dort rauspflanzen, wo sie die Gartenwelt optisch dominieren soll. Sie wird groooß und es macht Spaß, ihr ganz stolz beim Wachsen zuzusehen!

Sommer: Ein wunderbarer lebender Sichtschutz aus Topinambur entsteht. Man fragt sich andauernd, wie groß sie denn noch werden will.

Herbst: Das erste Highlight des Topi-Jahreszyklus‘ — sie fängt im Oktober(!) an zu blühen und hört erstmal nicht mehr auf! Immer neue Blüten gehen auf. Hier ein Foto vom 11.10.2015 von einer Topinamburpflanze mit ihren unzähligen Minisonnen. Das ist übrigens auch genau die Pflanze, die wir heute abgeerntet haben.

topinamburRichtung Winter: Man fängt an, sich sehnsüchtig und unbändig auf die Ernte zu freuen, nachdem man dem Großwerden der Pflanze so toll beiwohnen konnte. Mit morbider Freude stellt man fest, dass die oberirdischen Teile der Sonnenblume bald anfangen zu welken und gelb werden. Das ist für uns das Zeichen! Erntezeit! Ab jetzt kann gebuddelt werden. Und genau das haben wir heute Nachmittag gemacht. So sah das dann aus:

Erstmal zaghaft ein bisschen Erde wegscharren und freudig feststellen, dass da ja tatsächlich Knollen gewachsen sind
Erstmal zaghaft ein bisschen Erde wegscharren und freudig feststellen, dass da ja tatsächlich Knollen gewachsen sind. Jippieh!

 

 

Mit Schmackes den ganzen Batzen aus der Erde holen und sich vor staunen gar nicht mehr einkriegen
Mit Schmackes den ganzen Batzen aus der Erde holen und sich vor Staunen gar nicht mehr einkriegen

 

 

Die Ausbeute aus einer einzigen Topinamburpflanze: 1800 Gramm frische Topiknollen!
Die Ausbeute aus einer einzigen Topinamburpflanze: 1800 Gramm frische Topiknollen! Das Abendessen ist gerettet!

 

So ein grandioses Erfolgserlebnis! Also ich finde Topinambur großartig! Die Pflanze sieht im Garten sehr hübsch aus, macht sich auch sowohl gut als Sichtschutz und blühende Hecke als auch als beeindruckende Solitärpflanze. Insekten freuen sich über die späte Blüte. Sie selbst zu ziehen ist unkompliziert und wenn man nach der Ernte ein paar kleine Knollen in der Erde lässt, ist der Nachschub fürs kommende Jahr gewährleistet. Gutes Gelingen an alle Topinamburfans!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: