Braune Autobahnschilder // A 38 // Bergbau-Technik-Park

Der Bergbau-Technik-Park bei Großpösna direkt an der A 38 ist ein ehemaliger Tagebau, welcher nach seiner Auflassung in ein Freilichtmuseum umgewandelt wurde. Ich verbrachte einen lehrreichen Nachmittag im Schatten des größten Fahrzeugs, das ich jemals gesehen habe.

Hundert Meter unterm Gras
Wartet die Maschine, dass ich ihre Hebel fass‘
Und nach einer Stunde schon
Ist die Hand ein Schaufelrad, der Mund ein Telefon

Mein Rücken ist’n Förderband
Und im Schein von tausend Watt sind mir die Augenbrau’n verbrannt
Auf Raupenplatten kriech‘ ich Stück um Stück nach vorn
Bei Havarien blute ich

… So besang der Liedermacher Gerhard Gundermann 1994 in seinem Song „Mann aus Eisen“ die Arbeit im Bergbau.

Als ich heute, am 6. August 2020, aus dem Auto aussteige und durch sengende Hochsommerhitze in Richtung der Eisenmonster schreite, die vor mir aus der Landschaft ragen, kann ich mir nur schwer vorstellen, wie es hier einst gewesen sein mag. Laut. Sicherlich war es laut. Laut und geschäftiges Treiben. Aber jetzt liegt alles still da, nichts regt sich. Außer uns hat sich an diesem heißen Tag niemand in den Bergbau-Technik-Park verirrt und ich habe Zeit und Ruhe, mir alles genau anzuschauen. Die erste Station ist ein Stahlcontainer, in dem einige alte Schilder und Dinge ausgestellt sind. Danach geht es draußen weiter.

Das Gelände ist mit einem einfachen, gut beschilderten Rundweg versehen, an dem rund 20 Infotafeln den Besuchenden vermitteln, was und wie hier gearbeitet wurde. Das Gute an den Infotafeln ist, dass sie sich in drei Bereiche gliedern — es gibt jeweils einen leicht verständlichen Text für Kinder, eine Kurzfassung für Erwachsene und ein ausführliches Pamphlet für „Interessierte“, wie es in der Erklärung so schön heißt. Meistens lese ich mir den kurzen Erwachsenentext durch.

Der Park hat zwei Herzstücke, unübersehbar. Den Schaufelradbagger und den Absetzer. Der Schaufelradbagger nimmt mich sofort gefangen. Das Teil ist so riesig. So verdammt riesig. Sowas von megariesig. Einfach … unglaublich riesig. Ich kann nicht aufhören, mir den Hals zu verrenken und diesen Koloss anzusehen.

Selbst mit dem Transporter zum Vergleich können Fotos die Größe des Schaufelradbaggers schlecht vermitteln. Die einzelnen Eimer am Schaufelrad sind so groß, dass ein Mensch sich leicht hineinstellen kann.

Dieses Teil hat sich tatsächlich vorwärtsbewegt!

Der Absetzer ist sogar noch größer, jedenfalls geht er noch viel mehr in die Breite mit seinen ausladenden Armen. Er war sozusagen das Endstück des Förderbandes und hat das ankommende Fördergut kontrolliert als Halde aufgeschüttet. Nachdem er eigentlich schon in Rente war, wurde der Absetzer noch einmal für einen zweiten Job benutzt, nämlich für das Aufschütten der Böschung beim Bau der A 38.

Wie es wohl sein mag, solch ein Ungetüm zu bedienen? Dort oben zu sitzen? Den ganzen Tag von dieser mächtigen Maschine umhüllt zu sein, die Stück für Stück unwiderruflich die Landschaft verändert?

Leider, leider, leider ist weder der Schaufelradbagger noch der Absetzer begehbar. Zu gerne würde ich mal in solch ein Ungetüm hinein! Aber drumherumzulaufen und sich alles aus nächster Nähe anzusehen, ist trotzdem imposant und eine einmalige Erfahrung. Es stehen noch viele weitere Fahrzeuge auf dem Areal — Züge, Waggons, Autos –, aber die sind bei weitem nicht so beeindruckend.

Die Ausstellung beinhaltet aber noch mehr. Es wird zum Beispiel — was ich richtig gut fand — der Orte gedacht, die dem Tagebau weichen mussten. Diese Ortschaften waren schon seit Hunderten von Jahren besiedelt. Auch das ist für mich schwer vorstellbar: Ganze Dörfer wurden verlassen und abgerissen, die Menschen mussten ihr Zuhause verlassen und umgesiedelt werden, und dann frisst sich der gigantische Schaufelradbagger durch die verlassenen Straßen und brachliegenden Grundstücke … Und nicht selten hatten die Bergleute selbst in diesen Ortschaften gewohnt, die sie nun Stück für Stück mit ihren Maschinen abtragen und zerstören mussten.

Interessant ist auch eine künstlerische Auseinandersetzung zu dem Thema. Auf dem Gelände des Bergbau-Technik-Parks befindet sich eine beeindruckende Outdoor-Fotoausstellung von Künstler*innen, die hier wunderbare Motive fanden und ganze Arbeit leisteten!

Fast am Ende des Rundwegs angekommen, können wir uns nur noch mühsam in der Nachmittagshitze bewegen. David nimmt an einem Wohncontainer Platz, während ich mich weiter umschaue. Aber dann muss ich ihn doch noch mit aufgeregt fuchtelnden Armen herbeirufen: Windräder! Ich habe eine kleine Sammlung von Windkrafträdern entdeckt, die hier in Einzelteilen ausgestellt werden. Windkrafträder finde ich extrem cool, weil ich eigentlich mal lernen wollte, sie zu installieren. Wegen meiner Höhenangst ließ ich es aber bleiben. Jetzt habe ich endlich einmal die Gelegenheit, mir die Rotorblätter und die Gondel ganz aus der Nähe anzusehen. Am besten finden wir eindeutig die Nabe, also den Teil an der Spitze, in den sozusagen die drei Rotorblätter gesteckt werden. Sie ist so groß, dass sie glatt als Jurte durchgehen könnte. Nur die Öffnungen müssten mit Plexiglasscheiben verglast werden, dann wäre es die perfekte Behausung! Wie gerne hätte ich so etwas auf unserem Grundstück stehen!

Fazit

Der Besuch des Bergbau-Technik-Parks war eine tolle Erfahrung! Da er sich unmittelbar an der A 38 befindet, kann er auch gut als spontanes Ausflugsziel während einer Autobahnfahrt herhalten und eignet sich gut für eine ein- oder zweistündige Pause. Am Eingang gibt es auch einen Imbiss/Eisladen. Gelegentlich finden auch Extraveranstaltungen wie geführte Wanderungen im Freilichtmuseum statt. Wichtig ist, nach der Abfahrt von der Autobahn den Schildern Richtung „Zentraldeponie“ zu folgen anstatt der Navigation von Google Maps, dann werden nämlich fette 40(!) Minuten Fahrtzeit eingespart. Der Schaufelradbagger und der Absetzer sind unangefochten die Stars der Ausstellung im Bergbau-Technik-Park, aber durch die weiteren Ausstellungsstücke und die Infotafeln wird der Besuch noch ein Stück mehr lohnenswert. Der Eintrittspreis von 7,- € ist durchaus angemessen und fair. Also von mir: ganz klare Empfehlung!

>> Hier geht’s zur Beschreibung des Kunstprojekts „Braune Autobahnschilder // A 38“

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