Braune Autobahnschilder // A 38 // Friedland — Tor zur Freiheit

Der Hinweis auf das imposante Heimkehrerdenkmal Friedland bildet gewissermaßen den Auftakt zur Reise auf der A 38, ist es doch das erste braune Schild, das uns von Westen kommend auf dieser Autobahn ins Auge fällt. Ich habe das Denkmal besucht und mich ein wenig über seine Hintergründe informiert.

Sie ist kaum zu übersehen — die gigantische bizarre Klaue, die sich auf einer Anhöhe in unmittelbarer Nähe zur A 38 grotesk in den Himmel krallt. Mein neuester Besuch, am 31.07.20, war schon der zweite bei diesem nachdenklich stimmenden Denkmal. Denn bei der Bewerbung des „Tors zur Freiheit“ hat die gleichnamige touristische Unterrichtungstafel schon in der Vergangenheit ganze Arbeit geleistet und uns bei einer unserer vielen Fahrten zwischen Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt spontan dazu bewogen, von der Autobahn abzufahren und dort eine kleine Pause mit Sightseeing einzulegen. Wir waren einfach neugierig gewesen, wie dieses riesige Gebilde wohl aus der Nähe aussehen mag und was es damit auf sich hat.

Bei meinem jetzigen Besuch finde ich sogar einen großen Parkplatz, indem ich bei der Anfahrt nicht den Weisungen von Google Maps, sondern der örtlichen Beschilderung in Richtung „Heimkehrerdenkmal“ folge. Der Parkplatz befindet sich schon ein gutes Stück weit oben auf dem Berg, und von dort lädt ein gut asphaltierter, aber dennoch relativ steiler Wanderweg zu einem erfrischenden Walk ein, bei dem ich sogar etwas ins Schwitzen komme. Aber die Anstrengung ist nur von kurzer Dauer und bereits nach einer Handvoll Minuten schieben sich die Baumwipfel zur Seite und geben den Blick auf das Mahnmal frei.

Die Grünanlage mit der frischgemähten Rasenfläche drumherum ist verschwenderisch groß und weitläufig. Wäre perfekt zum Zelten und es gibt nicht einmal Schilder, die das verbieten. Trotzdem würde ich es lieber nicht machen. Irgendwer hätte bestimmt etwas dagegen. Aber hier eine romantische Picknickpause mit Decke und Leckereien einzulegen könnte ich mir durchaus vorstellen. Die Aussicht ist übrigens auch ganz nett.

Dass dieser Ort für eine erholsame Auszeit gedacht ist, zeigt auch das überdurchschnittlich hohe Aufkommen an Parkbänken, jede vorbildlich mit ihrem eigenen Mülleimer als Sidekick. Trotzdem liegt hie und da etwas Müll herum, aber das können erfahrungsgemäß auch Krähen gewesen sein. Alles in allem ist es hier oben auf der bewaldeten Kuppe des Hagenbergs sehr einladend, besonders an solch einem warmen Sommertag wie heute. Ich gehe ein Treppchen hinauf, um direkt unter/in das Denkmal zu gelangen.

Ich find’s schade, dass die 28 Meter hohen Betonklötze nicht weißgestrichen sind. Am liebsten möchte ich beim nächsten Obi Eimer und Pinsel holen und loslegen. In dem jetzigen Look erinnert mich das Mahnmal sehr an die Ruhr-Uni Bochum. Wurde ja auch zur selben Zeit erbaut.

Leider kann eins nicht in das Bauwerk hinein, sondern sich nur draußen zwischen die Monsterkrallenfinger stellen, die eigentlich ein offenes Tor darstellen. Obwohl in einem der Türme Fenster und eine verschlossene Tür eingelassen sind.

Jetzt erst wird das Interessanteste sichtbar: In das Mahnmal sind mehrere Schilder eingemeißelt. Sie führen verschiedene Daten zu Soldaten, Kriegsgefangenen, Vermissten und Verstorbenen im zweiten Weltkrieg auf. Die Zahlen sind so groß und haben so viele Nullen, ich vermag mir die Menge an Menschen nicht vorzustellen. Und das damit einhergehende Leid, das für mich unfassbar ist.

Das Mahnmal widmet sich also den Geflüchteten und Heimgekehrten der Nachkriegszeit; allerdings nur den deutschen. Das hat geschichtlich mit dem Standort zu tun, da sich in Friedland, einem kleinen 10.000-Seelen-Örtchen am Dreiländereck Niedersachsen-Hessen-Thüringen, seit 1945 ein sogenanntes Grenzdurchgangslager befindet, welches bis zum heutigen Tage aktiv ist und sich als einziges seiner Art in Deutschland um Spätaussiedler*innen kümmert, die nach Deutschland migrieren. Vor ein paar Jahren wurde außerdem das Museum Friedland direkt am Bahnhof eröffnet, in dem die Geschichte des Lagers mit Gegenständen, Dokumenten und Zeitzeugengeschichten dokumentiert wird. Falls du zu dem Museum hinfährst, siehst du dort vorm Eingangsbereich eine buntbemalte Parkbank stehen — auf der sitze ich gerade und schreibe diesen Artikel hier.

Fazit

Mein Besuch des Tors zur Freiheit a/k/a Heimkehrermahnmal a/k/a Friedland-Gedächtsnisstätte war zwar nur recht kurz, da es dort nicht viel Unterhaltsames zu entdecken gibt. Aber ich finde es dort ganz schön für einen Spaziergang im Grünen, um sich nach einer langen Autobahnfahrt zur Abwechslung etwas die Beine zu vertreten. Meiner Meinung nach ließe sich der Zwischenstopp mit ein bisschen Vorbereitung und entsprechendem Wetter durchaus auch zu einem nachmittagfüllenden Picknick ausdehnen. Es ist dort nur sehr wenig los. Das Denkmal ist laut einiger Zeitungsberichte wohl etwas in Vergessenheit geraten, seit es teilweise von den Bäumen ringsum verdeckt wird und schwieriger von der Autobahn aus gesehen werden kann. Für mich zumindest hat seinerzeit das, was ich von der Autobahn aus gesehen habe, dafür ausgereicht, meine Neugier zu wecken und diesen Ort zu besuchen. Er ist auch praktischerweise nur fünf Kilometer von der Autobahnausfahrt entfernt und belohnt diesen Abstecher mit einer schönen Weitsicht in parkähnlicher Landschaft neben einem imposanten Bauwerk.

>> Hier geht’s zur Beschreibung des Kunstprojekts „Braune Autobahnschilder // A 38“

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