Braune Autobahnschilder // A 38 // Naturpark Kyffhäuser

„KIFFEN! Höhöhöhöhö!“ So primitiv hätte ich höchstwahrscheinlich mit 16 reagiert, wenn ich den Namen dieses Naturparks damals gekannt hätte. Etymologisch stammt der Begriff aber wohl entweder vom niederdeutschen Wort für „Kopf“ oder hat etwas mit „keifen“ oder streiten zu tun. Ganz unbestritten kann ich jedenfalls versichern, dass der Naturpark Kyffhäuser eine wirklich schöne Gegend mit vielseitigen Erholungsmöglichkeiten ist!

Viele Monate lang sind wir, besonders David, aus Arbeitsgründen wöchentlich zwischen Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen gependelt. Wir können also von uns behaupten, dass wir die A 38 schon echt oft entlanggefahren sind. Ich glaube, bereits bei der ersten Strecke fiel uns der schwarze Berg am Horizont mit der berohlich in den Himmel ragenden Ruine ins Auge. Wir waren immer wieder erneut fasziniert vom Anblick dieses Monuments. Da ist irgendetwas Sehenswertes, und es befindet sich relativ nah an unserem neuen Zuhause! Ein wenig Recherche ergab, dass es sich hierbei um das Kyffhäuser-Denkmal handelte. Jetzt, vier Jahre später, habe ich das Abfassen dieses Blogbeitrags zum Anlass genommen herauszufinden, ob das Kyffhäuser-Denkmal eigentlich auch von unserem Grundstück aus sichtbar ist. Und siehe da — ich habe es entdeckt:

Da ist es, ganz klein und verschwommen am düsteren Himmel. Man kann nur erahnen, wie riesig das Teil in Wirklichkeit eigentlich ist. Der Kyffhäuser ist übrigens das kleinste Mittelgebirge Deutschlands und nur 60 Quadratkilometer groß.

Auf den Spuren Barbarossas

Wir waren schon zweimal dort oben auf dem Berg mit den verfallenen Ruinen und dem Kyffhäuser-Denkmal. Das erste Mal war es Winter und wir hatten keine Lust, für den kostenpflichtigen Bereich — auf dem sich auch das klotzige Denkmal befindet — Eintritt zu bezahlen. Tollerweise gibt es aber rund um das Denkmal herum einen frei zugänglichen Bereich in der 800 Jahre alten Burganlage. Dort kann man zwischen den Ruinen schön spazieren gehen und hat mit etwas Glück (wenn es nicht so diesig ist) eine tolle Aussicht über die Berge.

Ein wenig Vorsicht ist auf der kurvenreichen Straße geboten, die den Berg zu der Anlage hinaufführt. Sie gilt als beliebte Motorradstrecke und dementsprechend viel ist auf diesem Abschnitt los. Aber, das muss ich zugeben, auch mit dem Auto macht es großen Spaß, die Serpentinen entlangzucruisen; sogar mit unserem schwerfälligen Wohnmobil (zum Ärgernis aller Zweiradfahrenden hinter uns).

Unser zweiter Besuch war am vergangenen Wochenende, am 18.07.2020. Dieses Mal wollten wir den Rest der Burg und das Denkmal besichtigen! Der Eintrittspreis betrug 8,50 EUR pro Person und ich fragte mich im Verlauf unseres Aufenthalts öfter mal, ob der Preis gerechtfertigt war. Obwohl es ganz spannend war, den alten Turm der Oberburg zu besteigen oder draußen die Mächtigkeit der Anlage zu begreifen.

Blick auf den Denkmalturm von der Oberburg aus

… Irgendjemand hatte schließlich einmal alle diese Steine in Form gehauen, auf diesen Berg geschleppt und diese monströse Burg daraus gebaut.

Die steinerne Barbarossafigur thront am Fuße des Denkmalturmes

Ein Highlight war das Besteigen des Denkmals selbst! Das Kyffhäuser-Denkmal ist ein steinerner Turm von fast 60 Metern Höhe. Das ist verdammt hoch, wenn man bedenkt, dass man die ganze Strecke auf Treppenstufen zurücklegen muss, um bis nach oben zu gelangen. 247, um genau zu sein. Hinzu kommen die derzeitigen Schutzbestimmungen in geschlossenen Räumen; soll heißen, wir keuchten mit aufgesetztem Mund-Nasen-Schutz die äußerst enge und steile Wendeltreppe hoch, bis ich kurz vorm Kollaps war und auf einer Zwischenebene eine Pause einlegen musste. Aber diesbezüglich bin ich gut erprobt, denn ich hatte schon in meiner Kindheit die Treppen etlicher Leuchttürme unter den Sohlen gehabt. Trotzdem war es echt anstrengend. Die Mühe wurde aber belohnt. Die Aussicht war superschön! Nach dem Aufstieg fand ich dann auch, dass sich der Eintrittspreis gelohnt hatte.

Aussicht vom Kyffhäuser-Denkmal auf den Turm der Oberburg

Insgesamt verbrachten wir an diesem Tag etwa anderthalb Stunden beim Kyffhäuser-Denkmal und der Burg. Mit etwas Vorbereitung (Essen, trinken) hätten wir sicherlich auch mehr Zeit dort verbringen können, aber da wir an dem Tag noch weiterfahren wollten, reichte uns dieser Besuch ersteinmal. Es ist aber nicht auszuschließen, dass wir irgendwann noch ein zweites Mal die Anlage besichtigen!

In felsigen Tiefen

Aber nicht nur das Denkmal auf dem Berg gehört zu dem Naturpark Kyffhäuser. Die Gegend hat noch viel mehr zu bieten. Zum Beispiel die Barbarossahöhle, in der sich, wie der Name schon sagt, der Legende nach der alte Kaiser Barbarossa versteckt hält. Einen Besuch kann ich wärmstens empfehlen, und das meine ich fast wortwörtlich. Letztes Jahr im Hochsommer war es so heiß, dass David und ich irgendetwas Abkühlendes unternehmen wollten, und so beschlossen wir spontan, die Barbarossahöhle zu besichtigen. Dort unten sind es dauerhaft 9°C. Also Pulli nicht vergessen, egal wie heiß es draußen ist! Die Höhle ist sehr sehenswert und interessant. Die Führung hat uns sehr gefallen. Die Höhlendecken bestehen aus skurril anmutenden Anhydritlappen und es gibt auch einige unterirdische Seen, deren Wasser so rein und kristallklar ist, dass es gar nicht wahrgenommen wird; die Seen scheinen leer zu sein. Die Höhlen sind übrigens auch ein abgefahrenes Setting für eine standesamtliche Trauung.

Spaziergang am Wasser

Dann gibt es noch den Stausee Kelbra. Vor einigen Monaten fuhren wir dort zu einem erfrischenden Winterspaziergang hin. Damals war das Wasser abgelassen und wir konnten auf dem Grund des Sees spazierengehen; begleitet von einigen Wildgänsen, die uns bedrohlich angifteten. Seitdem bin ich nicht mehr dagewesen, aber für den Sommer existiert dort ein Strandbad mit reichlich Platz. Außerdem fand dort in den letzten Jahren offenbar eine Großveranstaltung namens Love Sea Festival statt, die aber dieses Jahr aus offensichtlichen Gründen ausfällt. Zu guter Letzt gab es ebenfalls am Stausee Kelbra das Feuerwerkfestival „See in Flammen“, das ich bis jetzt leider, leider immer verpasst habe. Es bleibt nur zu hoffen, dass nächstes Jahr wieder Veranstaltungen dieser Art möglich sind!

Und noch mehr Ausflugsziele!

Ebenfalls ans Herz legen kann ich euch die Kyffhäuser-Therme! Wir sind ja große Sauna-Fans und reisen gerne in Deutschland herum, um verschiedene Thermen auszutesten. Dieses Exemplar hier befindet sich praktischerweise ganz in unserer Nähe. Es steht eine gute Auswahl von schön heißen(!) Saunen und ein Dampfbad bereit. Es ist auch eine große Badelandschaft vorhanden, die wir aber nicht genutzt haben.

Ein weiterer besuchenswerter Ort ist der schiefe Turm von Bad Frankenhausen. Jawohl, Bad Frankenhausen — vergiss Pisa, das hier ist the real hot shit! Denn dieser Kirchturm ist sogar noch viel schiefer als sein berühmter italienischer Bruder und neigt sich wirklich gefährlich weit gen Boden. So weit, dass er mit Pfählen abgestützt wird. Wir sind vor einiger Zeit mal um den Turm herumgetigert und hatten die ganze Zeit das Gefühl, dass er uns gleich auf den Kopf fällt.

Laut der Website des Naturparks Kyffhäuser hat die Region noch einige andere Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten zu bieten, die wir selbst aber noch nicht besucht haben. Genannt seien hier kurz als Beispiele zwei Vogelbeobachtungstürme am Helmestausee, der Kyffhäuserweg als lokaler Wanderweg, ein Streuobstzentrum, diverse Museen, ein Bergwerk und ein Barfußpfad. Im kommenden Jahr dürfte es außerdem im Barockdorf Bendeleben ziemlich bunt werden, denn dann wird der Ort — wie auch das Rosarium Sangerhausen — eine Außenstelle der Bundesgartenschau 2021.

Fazit

Obwohl ich noch längst nicht alles gesehen habe, was der Naturpark Kyffhäuser zu bieten hat, finde ich die Gegend empfehlenswert für eine kleine Auszeit zwischendurch. Die Wälder sind sehr urig und romantisch. Beide Ausflüge zum Denkmal haben uns sehr gefallen und auch den Besuch der Barbarossahöhle haben wir in guter Erinnerung. Es gibt außerdem einiges an Veranstaltungen und Attraktionen in der hiesigen Zivilisation, obwohl die Städte alle klein sind. Eine schöne Gegend, um mal die Seele baumeln zu lassen!

>> Hier geht’s zur Beschreibung des Kunstprojekts „Braune Autobahnschilder // A 38“

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