Braune Autobahnschilder // A 38 // Sonnenobservatorium Goseck

Heute springen wir einmal 7.000 Jahre in der Zeit zurück und besuchen ein jungsteinzeitliches Bauwerk, das lange vor Stonehenge errichtet wurde.

Auf das Sonnenobservatorium habe ich mich im Vorfeld richtig gefreut, das finde ich interessant! Es ist einer von fünf Orten auf der archäologischen Tourismusroute Himmelswege. Auf der Website des Sonnenobservatoriums wird empfohlen, zunächst das Infocenter zu besuchen, bevor es zum eigentlichen Schauplatz geht. Also fuhren wir am 25.07.20 schnurstraks zum Schloss Goseck, in dem sich das zwar kleine, aber nicht minder sehenswerte Besuchszentrum befindet. Der Eintritt beträgt pro Person nur beschauliche zwei Euro; ein absolut fairer Preis, wenn ich bedenke, dass ich inzwischen schon an anderen Orten, deren Informationsgehalt mich weniger interessierte als das hier, das Dreifache oder mehr bezahlt habe, und das war preislich trotzdem immer angemessen. Hier im Informationszentrum von Goseck kann ich mit Fug und Recht behaupten, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis definitiv in Ordnung ist! Es gibt vier Räume, die thematisch sortiert sind, und sehr viel zu lesen, aber ohne erschlagen zu werden. Fotos und Zeichnungen bereichern das Geschriebene. Es gibt auch ein kleines Modell vom Sonnenobservatorium.

Cool fand ich auch die Luftbilder. Das Sonnenobservatorium wurde erst vor 30 Jahren entdeckt, als erstmals Luftaufnahmen von einer Landwirtschaftsfläche gemacht wurden. Dort, wo der Graben des Observatoriums war, war der Boden des Feldes anders und die Feldfrüchte hatten einen anderen Wuchs und hoben sich farblich etwas ab, sodass die runde Form der Anlage aus der Luft sichtbar war. Das Areal wurde infolgedessen archäoligisch untersucht und allerhand gefunden, unter anderem Menschenknochen.

Vor 15 Jahren schließlich wurde am Schauplatz das Sonnenobservatorium originalgetreu nachgebaut. Dafür wurde die Wallanlage aufgeschüttet und mehrere Hundert Eichenholzpfähle in den Boden eingelassen. Die Öffnungen in der Kreisgrabenanlage weisen auf die Stellen, an der die Sonne sich zur Sommer- und Wintersonnenwende befindet. Mit diesem Bau konnte also schon in der Steinzeit der Verlauf der Sonne und somit der Jahreszeiten bestimmt werden. Der Ort diente aber auch als Versammlungspunkt für Rituale und Feste. Durch die Wände aus Holzpfählen war das Innere von außen nicht einsehbar. Ich glaube, ich möchte gar nicht genau wissen, was da im Zentrum des Kreises so praktiziert wurde, abgeschirmt von den Blicken der Öffentlichkeit …

Nachdem wir uns im Infocenter alles angeschaut haben und wissen, was es mit dem Sonnenobservatorium auf sich hat, wollen wir es natürlich auch endlich in Wirklichkeit sehen! Vom Schloss Goseck aus ist das Sonnenobservatorium mit einem kleinen Spaziergang fußläufig erreichbar. Bald taucht die Anlage am Feldrand auf. Sie ist schon von Weitem zu sehen, da sie ziemlich groß ist.

Sie ist frei zugänglich, ohne Eintritt bezahlen zu müssen. Wir laufen herum und bestaunen dieses gigantische Werk, in das einst Menschen soviel Zeit und Energie gesteckt haben — vor 7.000 Jahren, aber auch vor 15 Jahren! Ich schieße ein paar Fotos.

Fazit

Der Besuch beim Sonnenobservatorium hat mir echt gut gefallen und Spaß gemacht. Im Informationszentrum habe ich viel Wissenswertes gelernt und der Aufenthalt war für mich kurzweilig und interessant. Das Sonnenobservatorium selbst ist imposant anzusehen und ein schöner Ort, um sich ein bisschen draußen an der Luft zu bewegen. So ewig lange haben wir uns dort nicht aufgehalten; es gibt ja nicht so irre viel zu sehen. Aber da wir uns vorher informiert hatten, konnten wir besser verstehen, was es mit der Anlage auf sich hat und wie es hier vor langer Zeit gewesen sein könnte. Vom Informationsgehalt her ist das Informationszentrum natürlich gehaltvoller als das Sonnenobservatrorium selbst. Ich fand es schade, dass dort keine archäologischen Funde ausgestellt sind, sondern nur Nachbildungen. Wenigstens einen Keramikpott oder ähnliches hätte man dort vorzeigen können. Alle Funde befinden sich jedoch im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle (Saale). Glücklicherweise steht ein Besuch dort ebenfalls noch auf meiner To-do-Liste, sodass ich mir bald noch ansehen kann, was in Goseck ausgegraben wurde.

Das Sonnenobservatorium erinnert mich übrigens stark an das Ringheiligtum Pömmelte, dass ich schon vor einiger Zeit besichtigt habe und welches ebenfalls Teil der Himmelswege-Route ist. Zum Ringheiligtum sind wir damals aber einfach so gefahren, ohne uns vorher zu informieren. Mit Vorwissen im Gepäck ist es aber noch interessanter, sich solch einen steinzeitlichen Kultplatz anzusehen. Das Sonnenobservatorium lohnt sich auf jeden Fall für einen netten Abstecher unterwegs oder einen schönen Tagesausflug!

>> Hier geht’s zur Beschreibung des Kunstprojekts „Braune Autobahnschilder // A 38“

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