Braune Autobahnschilder // A 38 // Welterberegion Wartburg-Hainich

Für diesen Blogartikel musste ich erst einmal alles Mögliche sortieren, bevor überhaupt daran zu denken war, irgendwo hinzufahren. Es gibt einfach zu viele braune Schilder, die sich auf ein und dieselbe Region beziehen. Also was ist denn nun genau wo und wenn ja, wie viele?

Am westlichen Ende der A 38 häufen sich die touristischen Unterrichtungstafeln und preisen ein Naturgebiet nach dem anderen an — die Welterberegion Wartburg-Hainich, die Flussregion mit Leine, Werra, Fulda und Weser, das Eichsfeld und den Naturpark Eichsfeld-Hainich-Werratal. Sehr verwirrend. Hinzu kommen einzelne Attraktionen, die sich ebenfalls in diesen Regionen befinden: der Baumkronenpfad im Nationalpark Hainich (nicht zu verwechseln mit der oben genannten Welterberegion Wartburg-Hainich!), das Grenzlandmuseum Eichsfeld und einige andere mehr.

Wer soll denn da noch durchblicken? Und wie soll ich bitteschön über die einzelnen Ziele schreiben, wenn die so aufeinandergematscht sind? Wo liegt das denn überhaupt alles genau? Was überschneidet sich wo? Also setzte ich mich erstmal in Ruhe hin und habe alles akribisch auseinanderklamüsert. Hier mein Ergebnis:

  • die Welterberegion Wartburg-Hainich umfasst den Nationalpark Hainich und noch ein bisschen mehr Drumrum
  • das Eichsfeld befindet sich nördlich davon und wird von der A 38 durchkreuzt
  • der Naturpark Eichsfeld-Hainich-Werratal umfasst sowohl die komplette Welterberegion Wartburg-Hainich (und damit auch den Nationalpark Hainich) als auch einen Teil des Eichsfelds sowie die Region, die zwischen den beiden liegt
  • und die Flüsse schlängeln sich da auch irgendwo so durch

Alles klar? Zur Visualisierung habe ich hier einmal mit modernster Technik eine hochkomplexe Grafik erstellt, die alle Unklarheiten beseitigen dürfte:

Das Wochenende 8./9. August 2020 erkoren David und ich zu einem Mini-Urlaub, den wir in der Welterberegion Wartburg-Hainich verbringen wollten, und davon soll es hier nun handeln.

Wir beginnen auf dem Baumkronenpfad Hainich, von dem ich ja bereits berichtete. Aber wir haben uns noch viel mehr vorgenommen. Die Gegend wimmelt nur so von Ausflugszielen und Aktivitäten. Ich habe mir eine lange Liste zusammengeschrieben. Unmöglich, das alles an einem Wochenende zu schaffen. Und zu allem Überfluss verkündet an dem Baumkronenpfad-Parkplatz auch noch ein Schild, dass dies hier eine super Region zum Geocachen ist! Das habe ich bis jetzt gar nicht bedacht. Hier können Naturburschen etliche Tage verbringen, ohne sich zu langweilen. Da wir nur ein Wochenende Zweit haben, beschränken wir uns nur auf eine Handvoll Ziele, und steuern zunächst den geografischen Mittelpunkt Deutschlands in Niederdorla an, natürlich gut sichtbar markiert mit einem Steinchen und einem Bäumchen. Das Herz Deutschlands ist adrett und gepflegt.

Nur ein paar Schritte entfernt befindet sich das Opfermoor Vogtei, unser eigentliches Ziel. Es besteht aus einem Museum mit Ausstellungsstücken und einem Freigelände an einem jetzigen See, der in vorgeschichtlichen Zeiten eine Kultstätte war. Bei Ausgrabungen stießen Archäolog*innen hier vor ein paar Jahrzehnten auf guterhaltene Altäre und Götzenbilder, Waffen, Tier- und Menschenknochen. Alles wertvolle Relikte, die etwas mehr Aufschluss über die damaligen Verhältnisse gaben. Später wurden in der Nähe Bauten errichtet, die auf den aktuellen Forschungserkenntnissen beruhten. Dies ist das Freigelände, welches wir nun durch ein Drehkreuz betreten, weil wir uns an diesem sonnigheißen Tag das Museum sparen und lieber draußen sein möchten. Wir spazieren ein wenig am Wasser entlang und erreichen nach kurzer Strecke die nachgebaute Wohnsiedlung. Die Häuser gefallen mir sehr! Und wieder einmal stelle ich fest, dass ich meine Vorfahren in Sachen Handwerk wie immer völligst unterschätzt habe. Wir befinden uns ungefähr 400 bis ein Jahrhunderte vor Christus und die Häuser sind solide und durchdacht.

Die einfachen Grubenhäuser für das damalige Fußvolk gefallen mir am besten. Für den Bau wurde eine rechteckige Grube ausgehoben, zu der eine kleine Treppe hinabführte, sodass eine U-förmige Stufe auf dem Boden entstand. Diese Stufe wurde mit Lehm verputzt. Das Ganze wurde dann mit Wänden eingefasst und überdacht. Fertig war eine zweckmäßige Behausung mit mehr oder weniger gemäßigter Innentemperatur und Platz zum Sitzen, Essen und Schlafen. It’s as simple as that. Wie angenehm kühl sich der Lehm anfühlt! Ach, Lehm fühlt sich sowieso toll an. Ich mag mit Lehm verputzte Sachen. So eine Hütte wäre genau nach meinem Gusto.

Ein Rundweg führt uns weiter und wir kommen an allerhand Altären für religiöse Huldigungen vorbei. Die Altäre sind eigentlich eher so Hochbeete, finde ich. Es wurden Holzstangen dicht nebeneinander als Rechteck angeordnet in den Boden gesteckt und dieses dann mit Erde aufgefüllt. Und schon hatte man einen praktischen Altar für grausame Menschen- und Tieropfer. Fasste man diese DIY-Altäre nun noch großzügig in einem größeren Umkreis mit einem Zaun ein, der ebenfalls nur aus in den Boden gesteckten Ästen bestand — voilà — hatte die Bevölkerung ein Heiligtum!

Aber mein absolutes Highlight bei diesem Besuch sind die Götzenbilder oder auch Idole! Irgendetwas musste damals ja angebetet werden. Irgendwem musste eins ja huldigen. Jesus gab’s ja blöderweise noch nicht. Also wurden Götterbilder aufgestellt. Sie waren Äste. Stinknormale Äste. Ich finde das irgendwie total süß und könnte mich schief und kringelig lachen.

Nach dem Herumstreunern auf dem Baumkronenpfad und auf dem Freilichtmuseumsgelände sind wir von der Hitze des Tages ziemlich mitgenommen und brauchen eine Pause. Wir finden eine Furt in Creuzberg, unterhalb der 800 Jahre alten Werrabrücke und der niedlichen Liboriuskapelle, wo wir uns am Ufer der Werra niederlassen und die Füße im frischen Nass abkühlen. Ein Schilderwald in der Nähe deutet darauf hin, dass Wandern hier in der Welterberegion Wartburg-Hainich großgeschrieben wird. Auch der 290 Kilometer lange Werratal-Radweg führt hier entlang. Und ganz in der Nähe befindet sich ein Kanu- und SUP-Board-Verleih. Also wenn du dich an der frischen Luft auspowern willst — in der Welterberegion Wartburg-Hainich biste richtig. Hier gibt’s echt megaviele Möglichkeiten für Outdoor-Aktivitäten!

Der Platz an der Werra ist ganz schön und wird als möglicher Schlafplatz a/k/a Stellplatz fürs Wohnmobil im Hinterkopf behalten. Der Tag ist aber noch lange nicht rum, obwohl es sich schon in den späten Nachmittag neigt. Noch scheint die Sonne und wir haben unser letztes Ziel für diesen Tag ins Auge gefasst: die Wartburg, ein rund 1.000 Jahre altes bedeutsames UNESCO-Weltkulturerbe und Namensgeberin dieser Welterberegion. Den recht teuren Eintritt von 12,-€ pro Nase sparen wir uns; hauptsächlich, weil wir keinen Nerv auf Museum haben und eigentlich schon total müdegelaufen sind. Die Außenanlage der Burg ist jedoch frei begehbar und wir wollen sie den Abend über noch ein bisschen erkunden. Unser Besuch beginnt beim dazugehörigen Parkplatz. Eine freundliche Person fragt uns, ob wir auf dem Parkplatz übernachten möchten und erklärt uns, dass das dann 5,-€ kosten würde, die am nächsten Morgen zu entrichten seien. Wir finden das nett. Ein Platz, an dem explizit darauf hingewiesen wird, dass es in Ordnung ist, dort über Nacht zu stehen. Aber bevor wir das entscheiden, steigen wir erstmal auf zur mächtigen Burganlage. Der Ausblick ist wie erwartet grandios.

Dann geht’s weiter durch den Torbogen, an dem sich früher die Zugbrücke mit Kurbel befand und hinein in den prächtigen Innenhof.

Sowohl David als auch ich sind sehr angetan von der sehr gepflegten hübschen Burganlage. Die Gebäude sind alle wunderschön instandgesetzt und die Beete farbenfroh bepflanzt. Dennoch fühlt es sich hier sehr mittelalterlich an, wie in eine andere Epoche versetzt. Wir fühlen uns hier wohl. Die Energien an diesem Ort sind gut. Es ist angenehm, hier herumzuwandeln und den Tag so friedlich ausklingen zu lassen.

Wir sind uns einig, dass wir gerne einmal hierher zurückkommen und dann auch das Innere der Wartburg sehen möchten.

Leider sagt uns der Parkplatz dann doch nicht zu. Zum einen, weil wir in der prallen Sonne stehen und es nur fünf verbleibende Womo-Stellplätze zur Auswahl gibt, natürlich alle nebeneinander und alle ohne Schatten. Davon ist ein weiterer Stellplatz von einem weiteren Wohnmobil in Beschlag genommen worden. Natürlich direkt neben uns. Das bedeutet: Kuschelcamper-Alarm! Und das können wir ganz und gar nicht leiden. Also schnell weg. Wir haben ja noch den Plan B. Creuzberg an der Werra, wo wir vorhin Pause gemacht haben. An beiden Ufern der Werra befindet sich je ein großer Parkplatz. Sie liegen sich genau gegenüber. Der erste Parkplatz ist randvollgestopft mit Wohnmobilen und Campervans. Der zweite Parkplatz ist leer. Komplett leer. Herrlich leer. Im Schatten der Bäume machen wir es uns gemütlich und genießen den Blick auf den Fluss, der an uns vorbeirauscht, und die altehrwürdige steinerne Brücke.

Am nächsten Morgen sind wir ausgeruht und erfrischt und machen uns zu einem letzten Ausflugsziel auf, bevor wir die Welterberegion Wartburg-Hainich verlassen. Auf einem kostenlosen Wanderparkplatz, direkt neben einem kostenpflichtigen Wanderparkplatz (wtf?) stellen wir unser Gefährt ab und wandern los zur geheimnisvollen Drachenschlucht. Sie ist eine 250 Millionen Jahre alte Klamm, in der die mächtigen Felswände oft nur einige zentimeterbreit zusammenrücken, aber dennoch so weit auseinanderstehen, dass Menschen durch sie hindurchgehen können. Durch die wildromantische Schlucht rauscht ein Bach, über den eiserne Gitterstege führen, sodass die Drachenschlucht begehbar ist.

Die Wanderung durch die Drachenschlucht ist der krönende Abschluss unseres Kurzurlaubs in der Welterberegion Wartburg-Hainich und mit Abstand das allerbeste, eindrucksvollste Erlebnis des ganzen Trips! Überhaupt rangiert mein Spaziergang in der Drachenschlucht ziemlich hoch oben in der Liste der abgefahrensten Dinge, die ich je erlebt und gesehen habe! Die ganze Zeit versuche ich Fotos zu machen, die diese einmalige Atmosphäre zwischen den Felswänden einfangen …

… sehe dann aber ein, dass nur ein Video ansatzweise zeigen kann, wie es sich anfühlt, dort entlangzulaufen!

Fazit

Ich bin restlos begeistert von der Welterberegion Wartburg-Hainich! Es gibt dort so viel zu sehen und zu erleben. Die Natur ist wunderschön und auch die Burg ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Eine Wanderung durch die Drachenschlucht kann, nein muss, ich allen empfehlen, die dort in der Gegend sind und ein, zwei Stündchen Zeit haben! Einfach machen! Du wirst es garantiert nicht bereuen!

Die Welterberegion Wartburg-Hainich bietet aber noch mehr als nur Natur und Burg, denn in ihr befindet sich ebenfalls das Städtedreieck Eisenach, Bad Langensalza und Mühlhausen sowie noch einige andere Orte um den Nationalpark Hainich herum. Es gibt also auch in der Zivilisation noch einiges zu entdecken. Im Vorfeld meines Besuchs in der Region habe ich mir folgende Ziele und Sehenswürdigkeiten herausgeschrieben, für die ich an dem Wochenende gar keine Zeit hatte:

  • Kletterpark Hainich
  • Aussichtspunkt mit Blick auf die Wartburg
  • Aussichtsturm Hainichblick
  • Wüstung Heßwinkel mit Steinfiguren
  • Erlebnispfad Silberborn
  • Mülverstedter Kreuz
  • Betteleiche
  • Wildkatzenpfad
  • Wanderweg Hünenteichweg
  • Germanischer Kultpfad
  • Naturpfad Thiemsburg
  • Miniaturenpark „mini-a-thür“
  • Automobile Welt Eisenach
  • Friederiken Therme Bad Langensalza
  • Aquaplex Eisenach
  • Vogelschutzwarte Seebach
  • Fallschirmsport Dädalus
  • Japanischer Garten Bad Langensalza
  • Knöpfelsteiche
  • Elfengrotte

>> Hier geht’s zur Beschreibung des Kunstprojekts „Braune Autobahnschilder // A 38“

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