Getting to know … Saarland

Eine Woche on the road on my own. Eine Woche lang Leben im Pkw. Eine Woche lang ein Bundesland unter der Lupe: das Saarland.

Das Saarland hat 17 Städte:

  • Bexbach
  • Blieskastel
  • Dillingen/Saar
  • Friedrichsthal
  • Homburg
  • Lebach
  • Merzig
  • Neunkirchen
  • Ottweiler
  • Püttlingen
  • Saarbrücken
  • Saarlouis
  • St. Ingbert
  • St. Wendel
  • Sulzbach
  • Völklingen
  • Wadern

Ich will sie alle sehen. Also fahre ich los und sehe sie mir an.

Blieskastel; eine Stadt, die durch ihre vielen barocken Bauten so besonders ist. Nach all den Orten, die ich in den letzten Wochen im Harz durchschritten habe, kann mich jedoch kein Schnitzfachwerk, keine Verzierung, keine Prachtbauten mehr begeistern, und ich steige stattdessen auf die Anhöhe und statte dem Gollenstein, einer vorchristlichen Kultstätte und zugleich größter Menhir Mitteleuropas, einen Besuch ab; auf dem Rückweg knicke ich noch schnell ab zur Wallfahrtskapelle, zu dessen Fuße sich die kleine Stadt als rotbedachter Flickenteppich ausbreitet.

In der Früh weiter nach Homburg. Mystisch hängt der Nebel über den Auen und Bäumen. Das Land ist in friedlicher Ruhestarre, nur der obligatorische Eilige drängelt sich von hinten heran und überholt in einer Ortschaft. Ein Vorort namens Einöd. Eine Tankstelle verwehrt mir dunkel den Einlass am Sonntagmorgen, eine andere glimmt hell und gibt mir Kraftstoff.
In Homburg Schilder, die mir gefallen: „real“, das heißt Wifi, Warmwasser und vielleicht sogar Strom an einem anderen Tag; „Friedhof“, dort gibt es kostenloses Trinkwasser. Aber erst zu dem rotsandigen Parkplatz, zu dem sich mein Auto den bewaldeten Berg an der Karlsbergbrauerei hochquält, und dort gibt es Frühstück aus meiner mitgebrachten Küche: schwere, süße heiße Schokolade in Haselnussmilch und vegane Maultaschen vom offenen Gasfeuer, dessen Hissen die Waldesstille durchschneidet.
Danach bin ich zu früher Morgenstunde allein in der Festung Homburg.

Bexbach. Der Blumengarten wartet mit einem Miniaturwahrzeichenland auf. Doch der Petersdom ist an den Rändern zerfleddert und der Schiefe Turm hat Rost angesetzt. Der chinesische Garten besteht aus nicht mehr als ein paar Schlitzahorn, etwas Bambus und einer Buddhastatue. Ansonsten ist der Park recht schön.

Neunkirchen, mit Betonung auf der ersten Silbe, is all about Hütte. Mein erster Spitzbunker. Ein zum Kino umgebauter Wasserturm. Die Innenstadt im Sonntagsschlaf. Die Litfasssäule sieht aus wie nach einem Atomkrieg: vergilbte Plakate zeugen von angedachten Veranstaltungen im März, die niemals stattgefunden haben.

Ein Abstecher nach Luxemburg, Remich, es muss sein. Auf diesem Trip las ich davon und will es unbedingt sehen. Es wurde nicht zu wenig versprochen — die Stadt ist beengt und erinnert mich stark an mein eigenes Gefängnis, aus dem ich mit 19 ausbrechen konnte. Ich kann verstehen, so gut verstehen.
Lauter Trubel von Hunderten Touristen bringt Unruhe in die Szenerie. Moselkreuzfahrten, Fritur, Gänse, Weidenbäume, Hunde, Masken. Ich gehe auf der Esplanade, der Hauptschlagader und ich bin ein weißes Blutplättchen, das herumgewirbelt wird. Ich versuche, den Geist der Stadt zu erfassen, wie er hier vor dreißig Jahren gewesen sein muss. In der Hektik fällt es schwer, zu beobachten. Bald muss ich hier raus, das merke ich. Wahnsinn, wie schnell es mir zuviel wird! Aber auf dem Rückweg sehe ich diese Gasse, die den Berg hinaufführt. Natürlich. Natürlich kann ich auch hier das tun, was ich schon immer in allen Städten der Welt gerne getan habe: Die abgefuckten Ecken suchen. Den Crack in der glitzernden Fassadenwand finden und dort hingehen, wo Touristen nichts zu suchen haben. Jene Ecken der Stadt, die Touristen nicht sehen sollen. Erst wenn ich die gefunden habe, weiß ich, wie eine Stadt atmet.
Ich biege in die steile Gasse ein. Sofort verstummt der Trubel. Die Zeit tickt langsamer, dann bleibt sie stehen. So ist es hier also. Ich kann Brian gut verstehen. Another garbage small town rat trap.

Die A 8 ist meine neue Lieblingsautobahn. In Sachen Leere und Peacigkeit sticht sie sogar die A 14 aus. Die A 8 ist gemütlich, und seine Fahrzeuge sind es auch. Lange wundere ich mich, ob hier eine dauerhafte Geschwindigkeitseinschränkung gilt, die ich übersehen habe. Selten fährt wer schneller als 130 km/h. Alle zuckeln eher mit 100 km/h wie eine bunte Perlenkette über das Asphaltband. Erst als ich die Grenze zu Luxemburg überquere, fällt der Groschen. Gewohnheit. In Luxemburg sind die Autobahnen nämlich auf 130 km/h beschränkt. Angenehm. Ich mag die A 8.

Krönender Abschluss eines grandiosen Tages: die Saarschleife im letzten Abendsonnenschein.

Als Schlafplatz muss ein Waldfriedhofsparkplatz in Orscholz herhalten. Noch spät abends entdecke ich die Steckdosen in der Toilettenkabine. Während meine Powerbank mit Saft versorgt wird, sitze ich draußen im dusteren Friedhofsgelände, das bei Bewegung nur von einer trüben Funzel erhellt wird, und lese weiter in der Biographie von Brian Molko, um mich herum ein magisches flackerndes Meer aus Kerzenflammen.

Morgens Haarewaschen und Handyaufladen im Friedhofsklo und Auffüllen der Trinkwasservorräte an der Wasserstelle.
Merzig: Nur ein Stopp bei Kaufland. Klopapier. Avocadoshampoo. Ein neuer Rasierhobel und ein Fertiggericht aus Urdbohnen und Chia. Auf dem Weg von dort weg ein Saargarten am Straßenrand. Es könnte schön sein, wäre da nicht die nicht mehr ganz so friedliche A 8 in unmittelbarer Nähe und eine Armada Schlauchboote mit rufenden Soldaten auf dem Wasser. Ich nehme auf einer Holzliege Platz und stelle mir die größte aller Fragen: Wohin?

Laid-back, so lässt sich das Saarland präzis beschreiben: totally laid-back.

Dillingen. Eine nicht aufregende Innenstadt, aber auch nicht unschön. Der Sakralbau mit dem großspurigen Namen Saardom ist unscheinbarer als vermutet. Aber ich freue mich über die bruchsichere Essschüssel, die ich erstanden habe. Jetzt kann ich das zuvor erworbene Fertiggericht auch anrichten. Wieso gibt es hier keine Ansichtskarten?

Pause mit veganem Schokoladeneis im Auto: Gemeinsam mit David rekonstruiere ich per Chat, dass ich letztes Jahr schon in Saarlouis war. Hier war es, wo ich vor fast genau einem Jahr, Ende September 2019, in einer Buchhandlung eine Ausgabe der VISIONS kaufte, die mein Leben veränderte.

Auf einem überdimensionierten Waldparkplatz koche ich mir ein Lunch; danach Spaziergang im Urwald vor den Toren der Stadt. Auf einer Kreuzung von zwei Waldwegen bleibe ich stehen. Was muss ich nochmal tun, damit jetzt ein Dämon erscheint? Wenn ich meine Augen entspanne, sehe ich einen Vertigoeffekt. Er erinnert mich daran, dass meine Augen alles auf dem Kopf sehen. Mein Gehirn dreht die Bilder richtigherum, damit ich in der Welt zurechtkomme.

Ich schneie gerade noch rechtzeitig nach Püttlingen hinein, um von einem zauberhaften Kirchenspiel um 17 Uhr überrascht zu werden. Rast am Fuße von St. Sebastian mit Ausblick auf da, wo ich eigentlich hingehen wollte und dann auch hingehe, ins Herz der Stadt. Das Schlösschen ist nur ein altes Haus, dessen Biberschwanzdach fast so aussieht wie unseres. Aber die Grünanlage gefällt mir gut; auch wegen der spätsommerlichen Temperaturen und weil ich so spät noch im T-Shirt herumlaufen kann. Jedes Jahr im Herbst fällt mir wieder ein, dass Herbst meine Lieblingsjahreszeit ist. Und dieses Jahr habe ich festgestellt, dass ich jetzt sogar einen passenden Soundtrack für all diese positiven Empfindungen habe, den ich letztes Jahr arglos und unbewusst geschaffen habe, als ich im Wohnmobil herausfand, dass es an der Zeit ist, meine Seele zu entdecken.

Vier Tage exzessives Autofahren fordern ihren Tribut, mein Körper verlangt nach einer Pause. Zwei Stunden, nachdem ich mir ein 24-stündiges Bewegungszölibat auferlegt habe, finde ich mich in Völklingen wieder. Die erste Stadt hier, die mir auf Anhieb gefällt! Sie ist nicht besonders schön, auch nicht besonders sauber, aber die Geschäfte sind zweisprachig in Türkisch und Deutsch beschriftet und ich fühle mich sofort wohl. Verschiedene Menschen, verschiedene Sprachen, Akzeptanz; das, was ich bei meiner Homebase so schmerzlich vermisse. In einem internationalen Lebensmittelladen kaufe ich mir meine heißgeliebten Lokum und gefüllte Weinblätter. Als ich auch noch ein Butanfläschchen für meinen Campingkocher im Sortiment finde, ist mein Tag gerettet. Trotzdem muss ich auf dem Weg durch die Innenstadt, selig mein Lokum mampfend, zwei rechte Aufkleber abknibbeln und einen weiteren überkleben. Für solche Fälle habe ich zum Glück immer Aufkleber dabei. Die Hütte, um die sich hier alles dreht, muss derweil warten. Dieses Reiseschmankerl wird an einem anderen Tag geschlemmt, wenn ich zu schmerzfreier Mobilität fähig bin. Und im besten Fall mit dem liebsten Menschen an meiner Seite.
Die Wand mit den Fotos und Zitaten ehemaliger Hüttenarbeiter geht unter die Haut. Und zum ersten Mal sehe ich etwas, das ich vorher übersah: Das Leben als Alleinverdiener kann richtig scheiße gewesen sein. Frauen hatten schon immer den Kürzeren gezogen, durften nicht Geld verdienen oder nur bestimmte Berufe ausüben, mussten außerdem den Haushalt managen und sich um Kinder kümmern, sich stets zurücknehmen, dabei aber blendend aussehen und gutgelaunt ihrem Mann dienen. Männer hingegen … hatten die ihnen zugeschriebene Geschlechterrolle von vorneherein ebenso gnadenlos von der Gesellschaft aufgedrückt bekommen. Arbeiten. Hart Arbeiten. Geld verdienen. Die Familie ernähren. Der Beschützer sein. Undenkbar, dass die Frau dabei mithalf oder, Gott bewahre, als Alleinverdienerin das Einkommen sicherte. Und andere Lebensmodelle waren absurd. Patchwork- oder Regenbogenfamilien? Singlehaushalt? Geldfreie Experimente? Van Life? Digital Nomads? Pustekuchen. Es gab nur diese eine Schablone: Mann, Frau, x Kinder und ein fester Wohnsitz. Ein Hamsterrad mit festgeschriebenen Rollen, nicht nur vorherbestimmt für die Frau des Hauses. Sondern auch für den Mann. Oder zumindest den AMAB – assigned male at birth. Von der fehlenden Anerkennung aller anderen Geschlechtsidentitäten fange ich jetzt gar nicht erst an.

Trotz schmerzender Füße Wanderung noch am selben Tag: Ich stehe im Mittelpunkt des Saarlands.

Lebach ist nur ein kleiner Klecks, aber immerhin mit seinem eigenen echten asiatischen Garten. Der zwar auch nur ganz klein ist, aber zu einem dreiminütigem Erfreuen einlädt. Auch die Fußgängerinnenzone kann mit nur wenigen Schritten durchmessen werden. Ich spüre, nach all den Kleinstädten kommt die Zeit für etwas Größeres. Außerdem brauche ich einen neuen Hoodie; meiner stinkt.

Saarbrücken, Reizüberflutung. Laut, Unruhe, Menschen, Gerüche, Geschnorre, Armut, Geld, Werbung, Konsumgüter, vegane Wraps. So viel gibt es zu sehen, und mir fehlt die Energie zum Sightseeing. Ab wann hat eins eine Stadt gesehen? Wenn die wichtigste Sehenswürdigkeit gesehen wurde oder wenn eins durch die Fußgängerzone gelaufen ist?
Lamgärmliges Oberteil und Postkarte im Gepäck, Wrap in der Hand, marschiere ich zurück durch die Asphalthitze. Raus hier. Ins Ruhige: zum Brennenden Berg. Hier brennt aber überhaupt nichts mehr.

Danach Locationwechsel zum heutigen Schlafplatz. Die Vorzüge von Friedhofsparkplätzen sind von unschätzbarem Wert:

  1. Es gibt sie in nahezu jeder Ortschaft
  2. Sie befinden sich am Stadtrand, der Ortskern ist aber gut erreichbar
  3. Es gibt frei zugängliches Trinkwasser
  4. Es gibt Mülleimer
  5. Oft gibt es frei zugängliche Toiletten
  6. Es ist nachts ruhig.

Sulzbach, die sterbende Stadt. Oder die aufstrebende. Oder die stagnierende. Die Hälfte der Häuser steht leer und ist dem Verfall überlassen. Die andere Hälfte ist offenkundig bewohnt. Die Hälfte davon ist jedoch ebenfalls ziemlich heruntergekommen, die andere Hälfte recht passabel, aber nur auf den ersten Blick. So habe ich viel Zeit, mich selbst zu sehen. Die aneinandergereihten leeren Ladenzeilen mit ihren großen blinden Fensteraugen sind ein langer, langer Spiegel. Wahrscheinlich zum ersten Mal in meinem Leben gefällt mir, was ich darin sehe.

Es nieselt und ich bin in Hundescheiße getreten. Das ganze Auto stinkt nach Scheiße. Scheiße. Meine Laune ist mies, absolut mies, und Friedrichsthal macht sie nicht besser. Miesgelaunt sitze ich noch im Auto, das ich gerade geparkt habe, da geht der nationale Sirenentest los. Eine Kirchenglocke darf auch mitmachen. Der Niesel wird zum ausgewachsenen Regen. Meine Ambitionen auszusteigen streben gegen Null. Ebenso das Verlangen, hierzubleiben.

In St. Ingbert biege ich in eine Straße ein, von der ich kurz darauf wieder links abbiegen muss, auf einen Supermarktparkplatz. Was ich nicht weiß, ist, dass ich mich auf einer zweispurigen Einbahnstraße befinde und ein Auto auf der linken Fahrspur fast in mich hineinrast, als ich auf den Parkplatz abbiege. Zweispurige Einbahnstraße. Die erste, auf der ich jemals gefahren bin, und hoffentlich die letzte, und sowieso ist das ein Konzept, das mir noch nie begegnet ist und das ich nirgendwo erwartet hätte, am wenigsten in einer saarländischen Kleinstadt. Langanhaltendes Hupen, wütende erhobene Arme, ich unter Schock, den Tränen nahe. Impuls: sofort auf direktem Weg schnurstraks wieder nach Hause fahren. Scheiß auf alles hier. Was will ich hier überhaupt? Muss ich diese Stadt wirklich sehen? Muss ich überhaupt noch irgendeine Stadt sehen? Den hunderttausendsten Edeka-Parkplatz, das hunderttausendste Kaufland-Klo, die hunderttausendste historische Altstadt mit der hunderttausendsten Kirche, die hunderttausendste Fußgängerzone mit immer den selben Ladenketten, immer den selben Geschäften mit immer den selben Namen, auf der ganzen Welt, egal wo ich bin; und darumherum die hunderttausend gleichförmigen langweiligen Wohnhäuseransammlungen, deretwegen doch eine Stadt nicht angesehen wird. Wo liegt noch der Reiz, eine Stadt anzusehen? Ich habe ihn verloren, hier und jetzt auf dem hunderttausendsten Supermarktparkplatz. Für immer weg, das möcht‘ ich sein, für immer weg. Immer unter Brücken schlafen, für immer, für immer.
Meine Lieblingskünstlerin hat vor 13 Stunden bei Instagram dazu aufgefordert, ihr eine beliebige Band zu nennen, und sie antwortet dann, welchen Song der Band sie am liebsten mag. Es sind schon sehr viele Bands vorgeschlagen worden. Sie scheint alle Bands der Welt zu kennen. Ich tippe „Placebo“ in das interaktive Feld und schicke es ab. Als ich später nachschauen will, ob und was sie geantwortet hat, ist die Umfrage weg. Ich bin immer einen halben Tag zu spät dran, auf ihre Beiträge zu reagieren. In Amerikkka ist es Tag, wenn hier Nacht ist.
Ich fahre nach Ottweiler. Es ist kalt heute, aber wenn ich die Heizung andrehe, füllt sich die Luft mit dem betäubenden Gestank von Hundescheiße. Ein Zweieinhalbliterkanister ist umgekippt und hat den hinteren Fußraum unter Wasser gesetzt. Pause bei Aldi, zwei Packungen Kekse, weiter nach St. Wendel. Die Online-Umfrage ist wieder da und sie hat noch eine Reihe von Antworten zu unzähligen Bands hinzugefügt. Placebo ist nicht dabei. Sie hat mich ignoriert. Das schmerzt. Mein Bruder erzählt, er wird Vater. Freu. Mein Mann schreibt, er hat es mir abgenommen, mich vor jemandem zu outen. Doppelfreu. Das Hallenbad ist bis auf Weiteres geschlossen, also habe ich auf dem Parkplatz meine Ruhe. Megafreu. Für heute muss ich den Tag Tag sein lassen.

Weiß nicht, warum. Aber St. Wendel hat eine beruhigende Wirkung auf mich. Besonders die Basilika. Die Stadt könnte sich von ihrer Ausstrahlung her auch in Spanien befinden. Vielleicht, weil es die gängige Durchschnittsgröße von spanischen tranquilen Städten hat.

Zwischenstopp am Bostalsee. Tretschwäne und -boote, Segel, ein Rundweg, baden strengstens verboten, frequentierte Promenade. Dennoch ein erholsames Intermezzo.

Burg Dagstuhl ist ein fauler Zahn aus einem klaffenden Ruinenmaul. Die Reste des Turms präsentieren sich als Postkartenmotiv. Die Infotafeln fachen meine Fantasie an: kann unser Bauernhof zur Burg umgebaut werden? Was macht das Burgsein aus? Und bin ich dann ein Burgsternchen? Eine Burg, so wird mir gerade klar, war nichts anderes als ein gut ausgebauter Selbstversorgungshof. Es gab eine Vorburg mit Wirtschaftsteil, Ställen, Backhaus, Vorratsräumen, und einen Wohnteil, das mit den Türmen dran. Ist es eine andere Herangehensweise, einen Selbstversorgungsbetrieb nach der Planungs- und Bewirtschaftungsweise einer Burg aufzuziehen, oder bleiben die Prinzipien sowieso gleich wie etwa bei Permakulturrichtlinien und es ändert sich gar nichts?

Innerlich freudegrinsend schreite ich schlussendlich querstraks über den altehrwürdigen Marktplatz in Wadern. Ich habe es geschafft. Ich war in allen 17 Städten des Saarlandes. Ich kaufe einen Badesprudel; denn ich kann mir zum Feiern meines Erfolgs nichts Schöneres vorstellen als ein langes, heißes Bad.

Dann fahre ich nach Hause.

Highlights im Saarland

  • Wahrscheinlich stünde hier an erster Stelle die Völklinger Hütte, aber da ich diese nicht besucht und sie nur von außen gesehen habe, kann ich mir (noch) kein Urteil erlauben, genauso wie
  • der Baumwipfelpfad an der Saarschleife in Orscholz. Mein Favorit ist also
  • die Burgruine Homburg! Besonders schön war es, dass ich frühmorgens die einzige Person dort war und in Ruhe überall herumklettern konnte, ohne gestört zu werden. Die Infotafeln an den einzelnen Räumen haben mir auch gut gefallen. Die Ruine ist verwinkelt und hat mehrere Etagen, Zimmer, Umrisse, Gänge und Türme.
  • Die Burgruine Dagstuhl ist zwar kleiner als die in Homburg, aber sie versprühte trotzdem einen gewissen Charme, dem ich mich nicht entziehen konnte.
  • St. Wendel hat von allen Städten des Saarlands die schönste Ausstrahlung.
  • Die Saarschleife vom Aussichtspunkt Cloef aus betrachtet ist immer wieder ein wunderschöner, überirdisch-magischer Anblick, besonders abends kurz vor Sonnenuntergang.

To-do fürs die nächsten Besuche im Saarland

  • Baumwipfelpfad Saarschleife
  • Buntsandsteinhöhlen unter der Burgruine Homburg
  • Hütte Völklingen
  • Prähistorium Gondwana
  • Burg Montclair
  • Tropfsteinhöhle Niedaltdorf
  • Ringwall von Otzenhausen
  • Felsenwege St. Arnual, sofern diese irgendwann wieder begehbar sind
  • Stausee Losheim
  • mehr Zeit in Saarbrücken verbringen und dort nicht nur die Fußgängerzone sehen

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