Kunst & Knoblauch #2

Willkommen im neuen Jahr zu einer zweiten Runde aus der Reihe Kunst & Knoblauch, die dir mit spannenden Neuentdeckungen aus Kunst, Musik & Kultur hoffentlich ein wenig den Lockdown und das Leben versüßt! Los geht’s mit ein bisschen Musik:

Song des Jahres 2021

Chic Tweetz

Dieser Song ist absoluter Nonsense. Das sollte dir allerspätestens beim Studieren der dazugehörigen Lyrics klarwerden. Aufgenommen wurde er während der letzten von Josh Homme initiierten Desert Sessions Vol. 12 — einer Serie drogenverseuchter Jamsessions hochkarätiger Musiker*innen. Besonders schön ist die versuchte Mystifizierung des fiktiven lappländischen Sängers Töôrnst Hülpft, dessen Identität meines Wissens immer noch nicht gesichert geklärt werden konnte (Dave Grohl? Trent Reznor? Josh Homme?). Seit etwa einem Jahr ist Chic Tweetz in unserem Haushalt ein gerngehörtes Lied zu jedwedem Anlass, am liebsten während unserer Road Trips mit dem Wohnmobil. Doch zu Beginn dieses Jahres ist die Lage eskaliert: Wir hörten es am Neujahrstag 2021, dann nochmal am 2. Januar, und irgendwie kam plötzlich die Idee auf, dieses Lied jeden Tag für den Rest des Jahres zu hören. 365 Mal. Herrgott. An diesem Tag, an dem ich dies hier schreibe — dem 6. Januar 2021 — haben wir den Song etwa alle 24 Stunden bereits zum sechsten Mal in Folge gehört. Fehlen also nur noch 359 Durchläufe bis nächstes Silvester. Machst du mit? Dann los: Chic Tweetz!

Alben der Woche

Billy Bragg & Wilco – Mermaid Avenue

In 2020 habe ich mich mehr als sonst mit Musik beschäftigt, und dieses Album ist unangefochten die Nummer 1 meiner liebsten Neuentdeckungen in Sachen Musikalben! Das verdanke ich dem Buch 1001 Albums You Must Hear Before You Die, durch das ich auf das Album aufmerksam wurde, und in welchem in einer kurzen Notiz die Entstehung des Albums angerissen wird: Beim Summerstage Festival 1992 in New York trat der politische Singer-Songwriter Billy Bragg auf und gedachte an dem Tag dem Geburtstag von Woodie Guthrie (1912 – 1967), ebenfalls ein politisch linker Singer-Songwriter. Im Publikum befand sich Guthries Tochter, die daraufhin Billy Bragg anbot, den umfangreichen Nachlass an nichtverarbeiteten Songtexten ihres Vaters musikalisch zu vertonen. In Zusammenarbeit mit der Band Wilco entstand so dieses fantastische Album namens Mermaid Avenue mit wunderschönen Songs, die sehr angenehm anzuhören sind. Es wurde 1998 veröffentlicht, aber ich hörte es wie gesagt erst 2020 zum ersten Mal. Dennoch hatte ich sofort das Gefühl, alle Songs irgendwie zu kennen und fühlte mich in dem Album direkt wohl. Bis auf einen Song (Birds and Ships) finde ich es sehr gelungen und höre es gern von vorne bis hinten komplett durch. Das Genre wird im Internet übrigens als Folk Rock betitelt, jedoch halte ich wenig von Schubladen und finde, die Musik sollte für sich sprechen um vorurteilsfrei zu entscheiden, ob sie einem gefällt. Wenn sie dir gefällt, hier noch ein kleiner Tipp: Es gibt auch Mermaid Avenue Vol. II und Vol. III!

Meine persönlichen Lieblingstracks: Walt Whitman’s Niece, One by One, I Guess I Planted, Hoodoo Voodoo

Rodriguez — Cold Fact

Und noch ein Singer-Songwriter, der unter „Folk“ eingeordnet wird: Sixto Rodriguez. Der inzwischen fast 80jährige amerikanische Künstler mit mexikanischen Wurzeln veröffentlichte sein Debütalbum mit selbstgeschriebenen Songs vor einem halben Jahrhundert, nämlich 1970 als damals 27-Jähriger Hippie. Das Problem war, dass niemand, absolut niemand, auf das Album aufmerksam wurde und es sofort wieder in der Versenkung verschwand. Es wurden in Amerika nur eine Handvoll Exemplare im zweistelligen Bereich verkauft. Im Nachhinein ist das schwer nachvollziehbar, da Rodriguez durchaus als zweiter Bob Dylan hätte gehandelt werden können. Doch damals war er gezwungen, den Traum vom Musikmachen aufzugeben und arbeitete stattdessen hart in körperlich anstrengenden, unterbezahlten Berufen, um seine Familie halbwegs ernähren zu können. Dass er Jahrzehnte später schließlich doch noch entdeckt und sein künstlerisches Schaffen international gewürdigt wurde, verdankt er einem merkwürdigen Zufall. Die Geschichte rund um Rodriguez‘ Durchbruch als Musiker klingt surreal und so unglaublich, als stamme sie aus einer fiktiven Erzählung.

Meine persönlichen Lieblingstracks: I Wonder, Sugar Man, Crucify Your Mind

Neugierig geworden? Mehr zu Sixto Rodriguez‘ Story gibt es passend dazu im heutigen

Filmtipp der Woche

Searching for Sugar Man

Searching for Sugar Man ist eine Dokumentation über die Erfolgsgeschichte von Sixto Rodriguez: Nach erfolgloser Veröffentlichung seines gänzlich unbekannten ersten Albums Cold Fact in Amerika gelangte ein einzelnes Exemplar der Schallplatte per Zufall auf ungeklärte Weise nach Südafrika. Es wurde dort auf Kassetten kopiert und weiterverteilt und auch von einem dortigen Label veröffentlicht. So erlangte das Album dort Kultstatus und traf den Nerv der damaligen Zeit in dieser von Apartheid geprägten Region. Der Musiker selbst bekam all dies gar nicht mit. Er hatte das Musikmachen längst wieder aufgegeben und lebte mehr schlecht als recht am Rande des Existenzminimums in seiner Heimat Detroit. In Südafrika hingegen wurde er als Sprachrohr einer Generation abgefeiert und etliche Mythen rankten sich um ihn und seinen Verbleib, da es außer der Schallplattenhülle mit Foto keinerlei Informationen über ihn gab. Es wurde allgemein angenommen, dass der Superstar schon längst nicht mehr am Leben sei, denn er war nicht aufzuspüren. Es wurden sich viele Varianten eines möglichen Selbstmords oder Drogentodes erzählt. Erst 1998, also 28 (!!) Jahre nach Veröffentlichung von Cold Fact, konnte Rodriguez von einem hartnäckigen Fan ausfindig gemacht werden, der Rodriguez erstmals von seinem Status als Berühmtheit in Südafrika erzählte. Der verwunderte Rodriguez wurde daraufhin nach Südafrika eingeladen und trat dort in ausverkauften Großveranstaltungen auf. Eine Doku, so spannend wie ein Krimi — inklusive Happy End und super Soundtrack! Hier ist der offizielle Trailer von Searching for Sugar Man und hier eine Zusammenfassung von arte.tv mit deutschen Untertiteln.

Schnipsel der Woche

An dieser Stelle wieder etwas von mir höchstpersönlich. Falls du zum ersten Mal vom Schnipsel der Woche liest, kannst du dich hier zur Entstehung dieser Wortspiele informieren. Der heutige Schnipsel der Woche geht so:

Schnipsel der Woche #2

„Hurz!“, so sagte man damals hierzulande immer, wenn es regnete. Dies rührte daher, dass einmal — vor langer, langer Zeit — etwa zwei grobkörnige Herrscher ihre jeweils fünfköpfigen Drachenkinder tätschelten und Feuerlöscher währenddessen explodierten. Pulvermassen überschwemmten ganz Preußen und rissen jedermann in die Tiefen der königlichen Abwässerkanäle. Doch ein tapferer Landsmann krallte sich entschlossen an einen alten Marienkäfer, der gerade blindlings durch preußische Kokosplantagen streifte. Das Resultat dieses Zusammentreffens war ein Geräusch imposanten Ausmaßes: „Kladutsch!“ Der Regengott Kla‘-Dooôj schreckte dadurch aus einem langjährigen Fresskoma auf, furzte lautstark, machte angestrengt Cappuccino aus Katzenkaffeebohnen und tunkte beide Oberlippen in Puderzucker. Schmatzend sah er hinab auf das Chaos. Etwas komisches irritierte ihn: Marienkäfer huckepack mit einem Landsmann. „Jasachdocheinerwasistdasdenn, Himmelarschundzwirnnocheins! HURZ!“ Und so kam es dann, dass meistens an Sonntagen regnerische Weihnachtsferien angekündigt wurden. 

Weil gründliche Hausmütterchen stets mit Epoxidharz putzten, blitzte Schorschs Kajüte immer wie ein goldenes Zahnrad im Mondschein. Private Feierlichkeiten wirkten allerdings auf subtile Zeitgenossen abschreckend, da das Porzellangeschirr grundsätzlich hochkant aufgetischt wurde. Schorsch zog gern gemeinsam mit Ingeborg an seinem faltigen, runzeligen Augapfel. Dabei schauten allerfeinste Äderchen zwischen ihrem Augmittelpunkt hervor. Partytiger konnten voll sein, trotzdem machte Schorsch generell jedesmal Zimtschnecken für etwaige Spontanbesuche. Sicher klärte sich nicht nur auf Arabisch, was der übersättigte Aktienmarkt noch plante, jedoch konnte erreicht werden, dass zumindest marginale Differenzen bei Gästen Zwangsernährung vermieden. Grünkohl, Pistazienpudding mit Schinkenwickel und dazu dreieinhalb schöne Wurstwasserdosen – so feiert man hierzulande! Außer nachts. Da tischt der Höhlenhippie traditionell hausgemachte Zahnpasta auf. Zu später Stunde schlägt dann der jüngste Sohn der Großmutter väterlicherseits Ratschläge bezüglich Cocktailpintchen und Rhabarberwasser nach. Grundgereinigt machte das Kajütenfenster einen recht ansehnlichen Eindruck. Gegensätzlich dazu schimmerte Schorschs Badezimmer jedoch nach Mitternacht weiterhin eher abflussgrünlich und alles duftete fliederhaft wie Frühling im sonnigen Allgäu. Was das alles kostete!

In Schweden findet täglich eine Infoveranstaltung namens „Wø Edna ræmpert“ statt, dessen Durchschnittsalter bei roundabout 23 Komma π Äonen liegt. Jeder Teilnehmer erhält zwei bläuliche Rosenquarze, welche zum Ermitteln des Erdmittelpunktes taugen. Außerdem kommt samstags eine Clownsnase vorbei. Fremde Währungen gelten als verpönt. Nur Kronkorken werden akzeptiert. So ist gewährleistet, dass die Dispute zwischen Anbieter und Interessenten weiterbestehen. Wirtschaftsförderung genügt den Anforderungen des Ameisenhaufens nicht, da wertvolle Informationen zuhauf feilgeboten werden. Schweden verantwortet sich gegenüber anderen sträflich vernachlässigten Mitgliedsstaaten des europäischen Konglomerats von 1735, da es anno 1492 bereits Internet via Rohrpost etabliert hatte. Andere Kontinente lösten Kaffeepulver mitsamt Löffel in randvollen Bechern aus kristallklarem Blähton auf; aber Australien digitalisierte Kaffeebohnen zur pixelförmigen Kunstform: grobkörnig, jedoch quietschbunt! Freundlich wirkt das. Informativ illustriert dies das angebotene Flugblatt namens „Kaffee – gigantische Ködel!“ Jedermann wollte innerlich jauchzen und dabei genüsslich Tee serviert bekommen. Veranstaltungstechniker zerbrachen Differenzen versehentlich zwischen ihren Adjutanten, um Bühnentechnik für alle Informationsveranstaltungen bereitstellen zu lassen. Erfolgreich!

Das war’s für diese Woche

Ich hoffe, dass dir meine Vorschläge gefallen haben und dass diesmal etwas Interessantes für dich dabei war! Viel Spaß beim Musikhören, Filmeschauen, Lesen … und Knoblauchessen!

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