Kunst & Knoblauch #3

Willkommen zur dritten Ausgabe von Kunst & Knoblauch. Auch dieses Mal habe ich wieder einige schöne Werke für uns alle zusammengestellt, mit denen sich der Lockdown ganz gut aushalten lässt: Zwei Musikalben, ein Film, eine Farbexplosion und ein wie gewohnt verwirrender Text erwarten euch!

Alben der Woche

Pornophonique – 8-Bit Lagerfeuer

Pornophonique gehören zu meinen Lieblingsbands und im vergangenen Jahr hatte ich trotz Corona das Privileg, sie in Pfungstadt (zum ersten Mal!) live zu sehen — mehr noch, ich traf sie im Anschluss zu einem persönlichen Meet & Greet am Merch, wo ich das Gefühl hatte, die Band würde ihre getreuen Fans (David, Daniel und mich) gerade mehr abfeiern als umgekehrt, weil wir extra für ihren Auftritt von so weit weg angereist waren. Aber hey, es sind Pornophonique! Für die fahre ich gerne einmal quer durch die Republik, wenn es denn sein muss! Ein zweites Livekonzert gab es dann einige Wochen später bequem vom Sofa aus per Live-Stream direkt ins Wohnzimmer. Anders, aber nicht weniger gut!

Gegründet hat sich die Band aus Darmstadt im Jahr 2003; kennengelernt haben sich die beiden Bandmitglieder Felix und Kai einst in einem Comicbuchladen. Das Genre ihrer Musik bezeichnen sie als Bitpop, eine Weiterentwicklung der 8-Bit-Chiptunes. Klingt elektronisch? Jap, so gesehen schon, denn der Clou an der ganzen Sache ist, dass die beiden für ihre Songs nur zwei Musikinstrumente verwenden: Eine Gitarre und einen Game Boy. Ja. Einen Game Boy. Du hast richtig gelesen. Und damit spielten sie sich im Laufe der Zeit — um es mal ganz pathetisch auszudrücken — in die Herzen der Hacker- und Nerdszene weit über die Landesgrenzen hinaus. Sie sind aber auch einfach verdammt gut in dem, was sie tun. 8-Bit Lagerfeuer ist die Erstveröffentlichung von Pornophonique aus dem Jahr 2007, auf ihrer Website zurecht als „Der Klassiker“ bezeichnet, denn auf dem Album befindet sich ihr bekanntester Song Sad Robot, dem das Publikum bei Live-Auftritten (und Live-Streams) immer sehnsüchtig entgegenfiebert. Dennoch versteht Pornophonique es meisterhaft, sich nicht in eine „Los, spielt euren Hit“-Schublade abdrängen zu lassen. Dafür sind all ihre anderen Songs einfach zu gut. Und dann sind da noch die Coverversionen. Die dürfen bei keinem Auftritt fehlen. Da wird auf Teufel komm raus gnadenlos alles ver-8-bittet, was den beiden in die Quere kommt: Metalhymnen von Black Sabbath (Iron Man) und Iron Maiden (Run to the Hills) — und Slayer darf natürlich auch nicht fehlen (South of Heaven) –, außerdem Bite It You Scum von Punk-Asi GG Allin sowie zeitlose 90s-Chart-Neuinterpretationen mit Wiedererkennungswert wie Hit Me Baby One More Time von Britney Spears oder What is Love von Haddaway. Immer wieder schön anzuhören! Und wenn dir ein einziges Album nicht reicht, gibt es Grund zur Freude: Letztes Jahr kam mit Brave New World die zweite Platte von Pornophonique auf den Markt, die ebenfalls von vorn bis hinten sehr anhörenswert ist.

Mein persönlicher Lieblingstrack: Sad Robot

Quelle: https://www.pornophonique.de/

The Stooges — The Stooges

Wo wir gerade bei epischen Erstlingswerken sind: Hier ist ein weiteres fantastisches Kunstwerk, allerdings aus einer ganz anderen Ära. Das selbstbetitelte Album der Stooges mit seinen 8 Tracks erschien 1969 und gilt als ein Wegbereiter des Punk. Am Mikrofon entdecken wir keinen geringeren als Iggy Pop, damals im unglaublichen Alter von 22 Jahren. Tatsächlich — Iggy Pop war auch mal jung! Das hätte ich nie für möglich gehalten. Selbst als ich ihn 2002 mal in Hamburg live gesehen habe, war er gefühlt schon uralt. Aber hier ist er, damals wie heute quicklebendig und wuselig wie eh und je, und dank reichlich Vitamin B zu The Velvet Underground und MC5 konnte dieses Album damals schließlich auf den Weg gebracht werden. Heute steckt es leider ganz tief am unteren Ende des „500 Greatest Albums of All Times“-Rankings vom Rolling Stone fest, obwohl es meines Erachtens ungleich besser ist als Hunderte der höherplatzierten Alben und auch weitaus einflussreicher, kurzweiliger und wichtiger. Aber das ist ja immer Ansichtssache. Ich mag es.

Mein persönlicher Lieblingstrack: No Fun

Quelle: 1

Film der Woche

Nobody Knows I’m Here

Nadie sabe que estoy aquí, so der Originaltitel, ist eine chilenische Erzählung um einen sehr zurückgezogen lebenden Mann fernab der Zivilisation — gespielt vom großartigen Jorge Garcia! –, der vor vielen Jahren wegen seiner außergewöhnlichen Gesangsstimme eigentlich ein Kinderstar im Musikbusiness sein sollte. Sein Aussehen jedoch war nach Meinung der Produzenten nicht ansprechend genug und so wurde nur seine Stimme aufgenommen, die einem anderen, vermeintlich besser ausehenderen Jungen in den Mund gelegt wurde. Daraus eskalierte ein Drama, dessen Auswirkungen die Lebensentwürfe der beiden Männer bis in die Gegenwart hinein bestimmen.

Der Film erschien 2020 und ist bei Netflix zu sehen, das die Produktion auch in Auftrag gegeben hat. Die Rolle des Protagonisten Memo scheint wie für Jorge Garcia gemacht und er spielt sie sehr emotional und überzeugend, wie ich finde. Abgesehen von einer Stelle mit einem fragwürdigen Dialogfragment („Hast du ein Problem?“ – „Problem?“ – „Keine Ahnung. Autismus.“) gefällt mir der Film sehr gut, weil er einerseits unaufgeregt und stressfrei ist, die Handlung aber trotzdem fesselt und alle Figuren interessant modelliert sind. Schön für einen gemütlichen Filmabend in den eigenen vier Wänden!

Gemälde der Woche

Hier ist das Erstlingswerk einer Zusammenarbeit von David und mir. Letzten Herbst haben wir uns zur Verschönerung des Lockdowns einen Schwung knallige Farben, ein Büschel Pinsel, eine Staffelei und einen Stapel Leinwände besorgt und mit intuitivem Malen begonnen. Das Ergebnis unseres Erstversuchs sieht so aus:

Zum Großteil handelt es sich hier um Acrylfarbe. Allerdings kam ich, nachdem wir schon einige Abende an dem Bild gearbeitet hatten, auf die Idee, auch andere Materialien zu verwenden. So fügte ich noch etwas selbstgelochtes Konfetti aus Alufolie hinzu und klebte ein paar Schmetterlinge aus Esspapier auf, welche ich eigentlich mal als Kuchendeko gekauft hatte.

Und warum muss es immer Acrylfarbe sein? Nagellack ist doch auch ganz interessant:

Nun ja, und dann war da dieser durchgebrannte Mikrocontroller, den wir noch in der Mancave herumfliegen hatten …

… neben den ich in einer Phase aggressiver Stimmung einen Batzen Watte klatschte und in dunkelroter Farbe ertränkte. Das sorgt für eine wilde dreidimensionale Struktur. Und erinnert irgendwie auch ein bisschen an einen zerfleischten Tampon.

Des Weiteren bastelte David sich eine Schablone mit Katzenfüßen, die einmal quer durchs Bild laufen:

Ein bisschen Natur darf natürlich auch nicht fehlen. Kurzerhand klebte ich noch ein Blatt dazu, welches im Laufe der Zeit dann auch nicht von Farben verschont blieb …

… und benutzte ein Stück unseres Schwertfarns aus dem Badezimmer begeistert als Stempel.

Zu guter Letzt gelang es mir noch, diesen kleinen Kerl erfolgreich im Bild unterzubringen. Er hatte ursprünglich in einem Kinomagazin für einen schwulen Film geworben, nun hat er in unserem Bild ein dauerhaftes Zuhause gefunden:

Schnipsel der Woche

Und noch mehr aus eigener Feder. Falls du zum ersten Mal vom Schnipsel der Woche liest, kannst du dich hier zur Entstehung dieser Wortspiele informieren. Der heutige Schnipsel der Woche geht so:

Schnipsel der Woche #3

Das gemeine Volk besteht nur teilweise aus Brot, hauptsächlich aber regiert die kommerzielle Schicht von Obdachlosen über ganz Köln. Souverän agiert sie bei Daxeinbrüchen mit konsequenter Hand und befördert Schwurbler zu Hausmeistern. Dies hat zur Folge, dass viele festangestellte Freelancer leidlich unterbezahlt werden. Aber Hauptsache, beim Finanzamt tropft der Wasserhahn! Niemand möchte das. Richtig? So viel unangebrachten Bürokratiescheiß verzapft sonst nur das Familienministerium von Essen. Tja, dumm nur, wenn andauernd Beamte unter sich schauen. Dort befinden sich nämlich die illegalen Waffenteile, welche bereits seit Generationen in geheimen Stuhlkissenfächern gelagert werden. Finanziell kann dies durchaus lukrativ sein. Andererseits jedoch bezieht man bereits von staatlicher Seite viel zuviel Entgelt, um es zu verprassen, ohne Moos auszurupfen. Pflanzliche Stuhlbezüge säumen den kaiserlichen Vorgarten – bezaubernd. Vom hoch in den Fahrstuhlschacht führenden Treppenhaus gelangt man, zwischen Orchideen hindurch, schnurstraks auf eine liebliche Wolke aus flauschigem, zuckersüßen Schlachtabfall. Lecker! Ohne Schund oder Tand war politisch keinerlei Anstand möglich. Aus sozioökonomischer Sichtweise musste eine globale Änderung der Sofagarnituren unbedingt maßstabsgerecht aufgezeichnet und verfilmt werden. Fazit: schlussendlich darf regiert werden, ohne den Pöbel bewusst zu enttarnen – Spionage ist essentiell!

Groß und mahnend prangt ein blinkendes LED-Lämpchen über Amsterdam. Kunstvoll schlängeln sich würdevolle Luftschlangen quer durch das Stadtzentrum. Sie illuminieren, sie flanieren und sie radieren alles weg. Biologisch betrachtet vollführten ihre Vorfahren damit Tanzeinlagen, um Fortpflanzung zu gewährleisten. Jedoch war diese Strategie evolutionsgeschichtlich desaströs. Amsterdam organisierte schon dreiundzwanzig Jahre zuvor zahlreiche Lichtquellen für visuelle Anregung. Rückblickend verstehen Historiker endlich den Befruchtungsvorgang der possierlichen, feudlischen Hörnchen: ganz offensichtlich infiltriert das Haupthorn fast komplett nackt jeden willigen Artgenossen. 

„Was ist eigentlich aus den Jurten herausgekommen?“ fragte mich der Kammerjäger, welchen wir tags darauf zum Friseurtermin einluden. Er spielte Mundharmonika, während der Gehilfe umständlich unbesohlte Plateauschuhe tragend seine Tuba bemalte – stilvoll mit Herz. Ich applaudierte. Aber musikalisch erinnerten mich ihre Ergüsse sehr an The Woodpeckers feat. Smudo. Trotzdem wurde dadurch allen ungebetenen Gästen nicht nur symbolisch kotzübel, sondern zusätzlich auch noch kalt. 

Das war’s für diese Woche

Ich hoffe, dass dir meine Vorschläge gefallen haben und dass diesmal etwas Interessantes für dich dabei war! Viel Spaß beim Musikhören, Filmeschauen, Lesen … und Knoblauchessen!

P.S.

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