Kunst & Knoblauch #4 – Queer Special Teil 1

Diese und nächste Woche wird’s voll schwul, bi, lesbisch, genderfluid, questioning, trans, nichtbinär im Kunst-und-Knoblauch-Universum! In meinem queeren Spezial präsentiere ich tonnenweise erstklassige Musik, Filme, Serien und Bücher in allen Regenbogenfarben. Los geht’s wie immer mit Musik.

Und äh, vorab entschuldige ich mich für die dezente Ezralastigkeit in diesem Special. Außerdem sind die einzelnen Abschnitte etwas kürzer und oberflächlicher formuliert als gewohnt.

Queeres Konzert der Woche

Ezra Furman Live at the Museum of Fine Arts in Boston, 01.11.2020

Dies ist ein etwas anderes Konzert. Nicht die zweimillionste verwackelte Livekonzertaufnahme auf YouTube, sondern eine extra erstellte hochwertige Produktion, die im November als kostenpflichtiger Stream angeboten wurde. Ezra spielt solo — ohne ihre Band — nur mit Gitarre und Gesang ein Set inmitten der Ausstellungsstücke im Museum of Fine Arts in Boston. Die Songs wurden sorgfältig ausgewählt und zusammengestellt (wenngleich ich finde, dass Queen of Hearts kein mitreißender Opener für ein Konzert ist, aber ich freue mich, dass mein Lieblingslied Ordinary Life dabei ist!), die Kameraführung ist angenehm professionell, der Sound tadellos abgemischt und die Kombination von Musik zwischen Gemälden und Skulpturen bildet ein herrliches Zusammenspiel, wodurch diese Filmproduktion selbst zu einem Kunstwerk wird.

Für das Konzert gab es im Vorfeld einen Online-Ticketverkauf, durch den der Zugang zu dem Stream erworben wurde. Einen Großteil der Erlöse hat Ezra allerdings an gemeinnützige Organisationen aus dem queeren Umfeld und der Black-Lives-Matter-Bewegung gespendet, obwohl sie als Berufsmusikerin das Geld zurzeit wahrscheinlich selbst sehr gut gebrauchen könnte. Inzwischen wurde der 75-minütige Stream erfreulicherweise frei zugänglich bei YouTube online gestellt, sodass ich ihn dir hier heute vorstellen und ans Herz legen kann!

Du kannst dir das Konzert direkt hier im Fenster ansehen:

… oder diesen Link verwenden: https://youtu.be/cHzyVsX9bE8

Queere Filme der Woche

Ein Tipp: Für weitere queere Filme lohnt es sich, bei Netflix nach „LGBT“ zu suchen!

Uncle Frank

Ein sehr schön gemachter Film, der in den 1960ern spielt und die Probleme eines Mannes näherbringt, welcher seiner Familie seit vielen Jahren die Beziehung zu seinem Lebensgefährten verheimlicht. Erst bei einer Beerdigung wird er vor allen Anwesenden kurioserweise von seinem verstorbenen Vater geoutet. Nebenbei verändert Uncle Frank das Leben seiner Nichte nachhaltig zum Positiven.

Die Darstellung der homophoben Reaktionen ist erschreckend und, wie ich befürchte, leider auch sehr realistisch. Für mich persönlich bot der Film viel Identifikationspotenzial mit dem schwarzen Schaf der Familie. Und ich weiß noch, dass ich nach dem Anschauen des Films laut sagte „Den Film muss jeder sehen!“

Ander / God’s Own Country

Die beiden Filme Ander und God’s Own Country sind zwar zwei völlig verschiedene Filmproduktionen — erstere ist spanisch und aus dem Jahr 2009, letztere aus dem Vereinigten Königreich von 2017 –, erzählen aber die selbe Story: Ein einsam lebender Landwirt verliebt sich unerwartet in seinen neuen Saisonarbeiter und entdeckt dabei die eigene Homosexualität.

Circus of Books

In dieser Dokumentation berichtet ein mittlerweile recht betagtes (Hetero-)Ehepaar davon, wie es 1976 einen Laden für Schwulenpronos übernahm und schnell zu einer festen Szenegröße wurde und dies jahrelang vor den eigenen Kindern geheimzuhalten versuchte. Knuffig!

The Boys in the Band

Dieser Film basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück von Mart Crowley aus dem Jahr 1968 — und der offene Umgang mit Homosexualität ist für jene Zeit beachtlich. Die Handlung spielt an einem Abend, an dem ein paar Freunde in einer Wohnung eine Geburtstagsparty feiern. Es kommt zu Konflikten, die schon lange vorab unterschwellig brodelten, vereinzelt werden Rückblicke auf die Vergangenheit gezeigt, es gibt Liebeserklärungen und auch ein Coming-out ist dabei.

Im Anschluss an den Film lohnt es sich, die dazugehörige Doku Etwas Persönliches anzuschauen, welche noch weitere Hintergrundinfos zu dem Theaterstück, den Autor Mart Crowley (1935 – 2020), der dort kurz vor seinem Tod noch interviewt wird, und die Filmdarsteller näherbringt.

The Danish Girl

Dieser Film porträtiert das Leben der dänischen Malerin Lili Elbe (1882 – 1931), die sich nach ihrem Coming-out als eine der ersten transgender Personen überhaupt in Berlin einer geschlechtsangleichenden Operation unterzog. Während Lili im Film als binär trans (MtF, also Male to Female) dargestellt wird, behaupten einige Stellen im Internet, Lili sei in Wirklichkeit intersexuell gewesen und hätte bis zu ihren Operationen sowohl weibliche als auch männliche Geschlechtsorgane besessen.

Eddie Redmayne und Alicia Vikander, die in dem Film die beiden Hauptpersonen Lili und Gerda spielen, erhielten bei der Oscarverleihung 2016 Preise als bester Hauptdarsteller und beste Nebendarstellerin — zurecht, wie ich finde!

Disclosure: Hollywoods Bild von Transgender

Diese Dokumentation ist mir so wichtig, dass ich sie eigentlich in einem gesonderten Beitrag vorstellen sollte. Ich hoffe sehr, dass sie hier nicht untergeht und dass möglichst viele Personen diesen Film ansehen!

Gezeigt wird die Art und Weise, in der die Filmbranche mit transgender Schauspieler*innen umgeht und auf welch diskriminierende Art das Thema Transsein eigentlich in Filmen dargestellt wird. Eine Doku, die wütend und nachdenklich macht und die Augen öffnet. Geeignet insbesondere für Menschen, die sich bisher eher selten mit diesem Thema beschäftigt haben.

Queeres Buch der Woche

Jonathan van Ness – Over the Top

Hier ist die Autobiografie von Queer Eye-Star Jonathan, der sich in diesem Buch nicht nur als nonbinary (yes!!) outet, sondern auch erstmals öffentlich von seiner HIV-Infektion erzählt. Um die bewundernswerte, starke Persönlichkeit zu werden, als die wir Jonathan heute kennen, musste er — wie befürchtet — durch eine extrem harte Schule des Lebens gehen und schon in jungen Jahren extrem viel Diskriminierung und Mobbing ertragen.

Das war’s für diese Woche

Ich hoffe, dass dir meine Vorschläge gefallen haben und dass diesmal etwas Interessantes für dich dabei war! Viel Spaß beim Musikhören, Filmeschauen, Lesen … und Knoblauchessen!

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