Notiz von der Straße #1

Hier geht es mir gut. Es tut mir gut, nachmittags faul auf dem Bett unseres Wohnmobils zu liegen und mir die warmen Sonnenstrahlen ins Gesicht scheinen zu lassen. Es ist erholsam, nichts zu tun und nichts zu tun zu haben. Kaum vergleichbar mit den letzten Monaten, in denen ich von Emotionen gelähmt in einem tiefen dunklen Tal steckte und nicht herauskam. Auch dann hatte ich nichts zu tun, obwohl ich zu tun hatte, konnte aber nichts tun. Außer jeden Tag vorm Kaminofen zu sitzen und leer in die Flammen zu starren und dabei entweder Gefühle zu fühlen oder eben gar nichts. Das Nichtstun war unerträglich und doch das Einzige, das zu tun ich in der Lage war.

Aber hier geht es mir gut. Wenn ich unterwegs bin, geht es mir gut. Und nur dann. Vergessen ist das dunkle Tal, aus dem ich gerade herausgestiegen bin – nun ja, vergessen kann ich es nicht, aber hinter mir lassen, vorerst, und bewusst spüren, dass wieder Licht in mein Leben scheint. Ich genieße, dass ich mich frei fühle, so befreit wie nie zuvor, auf eine subtile Art sogar so glücklich bin wie nie zuvor. Ich habe meinen Geist von einer bedrückenden Last, einem Unverständnis, einer Trauer befreit, die ich mein Leben lang mit mir herumgetragen habe und unter der ich unzählige Male zusammengebrochen bin. Ich musste durch das Tal der letzten Monate gehen und im klebrigen Morast seines Grundes verweilen, ohne einen Ausweg zu sehen, damit ich jetzt eine nie dagewesene Leichtigkeit spüren kann, die mir noch fremd vorkommt, weil sie meinen Geist nun das erste Mal erhebt, ohne dass das Gegengewicht dominiert. Über unter und neben mir scheint der Regenbogen, der ich bin, in allen Farben; endlich sehe ich ihn. Ich bin in Frieden mit mir selbst.

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