Notiz von der Straße #13

Was wenige Zentimeter bei Dysphorie ausmachen: Heute die Hälfte der Haare auf meinem Kopf kurzrasiert. Um genau zu sein: die ganze rechte Seite. Zwölf Millimeter statt fünfzehn Zentimeter. Fühle mich so glücklich und wohl wie nie zuvor. Erleichtert. Ernstgenommen. Akzeptiert. Toleriert. Respektiert. Ich sein dürfend. Von innen nach außen durchscheinend. Wirklichkeit auslebend und zeigend. Versteckspiel beendend. Endlich. Ein paar handvoll mittellanger Haare weniger, und so ein großer positiver nachhaltiger Einfluss auf meine Psyche. Oberflächlich betrachtet kein gravierender Unterschied, aber ich möchte vor Freude heulen.
Die Haare abzurasieren war eine längst überfällige Selbstmaßnahme, da mir in den letzten Monaten wiederholt bei Terminen in verschiedenen Friseursalons der Wunsch nach einem Kurzhaarschnitt verweigert wurde. Warum auch immer. Resultat: immer ein sogenannter Damenhaarschnitt. Für Damen. Hinten durchgestuft? Möchten Sie Schaumfestiger? Benutzen Sie zu Hause eine Rundbürste?
What the fuck?!? Ich bin keine Dame. Ich bin ich. Nur ich weiß, wie mein Äußeres am besten mit meiner Innenwelt übereinstimmt. Und wenn ich mit Nachdruck sage, kurz bitte, sehr sehr kurz!, und asymmetrisch, dann hat das Gründe, die nur mir bekannt sind. Fundierte Gründe.
Übergangen und nicht ernstgenommen zu werden ist ein Scheißgefühl. Aber nun fühle ich mich gut mit dem, was ich heute bekommen habe. Ohne Anzweifeln, ohne Diskussion, ohne Umstimmungsversuche oder Besserwisserei nahm David den Rasierer, als ich ihm darum bat, und rasierte mir den Kopf genau so, wie ich es wollte. Weil er weiß, dass ich weiß, was mir am besten tut. Und dafür liebe ich ihn sehr.

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