Notiz von der Straße #3

Kürzlich ging mir das Sesamöl aus. Sesamöl ist eine superpraktische Sache, wenn man auf Reisen ist: Es wird in handlichen kleinen Fläschchen verkauft, hat eine hohe Qualität und lässt sich dennoch gut zum Anbraten verwenden. Sesamöl ist total super.

Nur, was tut man, wenn man in Italien ist und einem das Sesamöl ausgeht? Im hiesigen Famila-Supermercato – heute befinde ich mich in Ravenna – stehe ich ratlos vor einem riesigen Ölregal, das nahtlos in ein riesiges Balsamicoessigregal übergeht, und starre auf die Literflaschen und Bottiche mit farbigen Flüssigkeiten. Die Etiketten verraten mir, ob es sich in dem jeweiligen Bottich, Kanister oder der Riesenflasche um Olivenöl oder Balsamico handelt. So eine gigantische Auswahl! An Öl! An Balsamico! Ich liebe es so sehr, in anderen Ländern stundenlang die Supermärkte zu durchstöbern. Unbewusst sind sie ein Abziehbild der kulinarischen Werte, die in der jeweiligen vorherrschenden Kultur des jeweiligen Landes vertreten werden. Liebes Lebensmittel, sag mir das Raumvolumen, das du in in den Supermärkten einnimmst, und ich sage dir, wie wichtig du in den Ernährungsgepflogenheiten der Einheimischen bist.

Bloooß – mein Problem ist an dieser Stelle, dass ich ja gerne Sesamöl hätte, und nicht in einer handlichen 10-Kilo-Flasche, sondern im doch etwas handlicheren 250-Milliliter-Flakon bitte. Nun grübele ich: Ist es frevelhaft, in Italien nach Sesamöl zu fragen? Verletze ich gar den Nationalstolz, wenn ich darum bitte? Vorerst ordne ich den Wunsch nach Sesamöl in meiner Prioritätenliste in den hinteren Rängen ein und nehme stattdessen lieber einen veganen Karamellpudding mit, den es in Deutschland nicht gibt. Lecker.

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