Notiz von der Straße #7

Wir diskutieren Anreden, Pronomen und Bezeichnungen.

Partner ist das, womit David sich offenbar ganz wohl fühlt, wenn er sich anderen Menschen gegenüber auf mich beziehen möchte. Das ist in Ordnung für mich. Definitiv um Längen besser als dieses aggressiv besitzergreifende meine, zu dem auch ich bislang keine elegante Lösung weiß, in Verbindung mit dem absolut unpassenden Frau, zu dem ich innerlich seit jeher keinerlei Beziehung habe, außer dass ich, wenn ich so bezeichnet werde, schon immer das traurige Gefühl hatte: Okay, mit dem Wort bin wohl ich gemeint. Muss ja. Das ist das, was ich sein soll. Was ich sein muss. Was von mir zu sein erwartet wird.

„Darf ich Dein Lieblingsmensch sein?“, frage ich.

David bejaht.

Einen Vorschlag habe ich noch: Stern. Sternchen. *. Ich möchte sein Sternchen sein.

„Wildcard“, fügt David begeistert hinzu und erklärt mir, dass das in der IT ein gängiger Terminus für Platzhalter ist. Wildcard. Das ist cooler als Asterisk. Gibt mir etwas Verwegenes. I‘m a real wild one.

Lieblingsstern kommt dann noch auf und wird umgehend von uns abgefeiert, weil wir beide an dieses bescheuerte Lied aus TV Total denken müssen. Ich krame den MP3 aus meinem Musikordner hervor und wir hören es.

Ich bin dankbar, weil ich damit gesegnet bin, mit einem liebevollen Menschen eine Beziehung zu haben, der auch nach meinem Coming-Out als Non-Binary zu mir stehen und mit mir zusammenbleiben möchte. Und mit dem ich Anreden, Pronomen und Bezeichnungen diskutieren kann.

Letztlich werde ich sein Stern. Das finde ich schön. Und ich genieße jedes Mal das warme Gefühl in meinem Herzen, wenn er mich so nennt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: