Quittenbrot und anderes Haltbarmachgewusel

Herbst ist die Zeit des Konservierens. Dieses Jahr lerne ich erstmals, die Früchte meiner Arbeit (= des Gartens) für die kommenden Monate haltbar zu machen und in verschenkbare Formate zu zaubern. Überraschende kulinarische Highlights ergeben sich dabei fast wie von selbst.

Wie ich ja in meinem letzten Artikel schon geschrieben habe, konnten wir dieses Jahr die ersten Ernteefolge vermelden. Jetzt ist es endgültig vorbei mit dem Sommer; das Dortmunder Wetter hat heute Morgen beschlossen zu schneien und in der Wohnung läuft die Heizung auf Hochtouren, damit es mollig warm bleibt. Außerdem genieße ich die letzten Tage in Freiheit, denn mein aufregendes „Sabbatjahr“ geht zuende und ab Montag startet mein Masterstudium. Ein so gemütlicher Tag wie heute ist doch prädestiniert dafür, sich mit dem Haltbarmachen von Lebensmitteln zu beschäftigen, oder nicht?

Achtung: Quittenschwemme – Überflutungsgefahr!

99 QuittenEs müssen ungefähr zwischen 8 und 10 Kilogramm Quitten sein, die unser Quittenbäumchen dieses Jahr an seinen Ästen und Zweigen hängen hatte. Letztes Jahr hatten wir nur zwei Quitten, ZWEI! Die schönen Früchte sind roh leider ungenießbar und können vom Menschen nur im verarbeiteten Zustand gegessen werden. Also machte ich mich auf die Suche nach schönen Quittenrezepten und fand bald eine Anleitung zum Herstellen von köstlichem Quittenchutney, das ich etwas abwandelte.

Hier ist mein Rezept:

Quittenchutney für den Weltfrieden
  •  ca. 1 kg Quitten (mit einem Tuch abgerieben und schönpoliert)
  • 250 g Bio-Fairtrade-Zucker
  • 3 Bio-Schalotten
  • 1 Stückchen geschälten Bio-Ingwer, ca. 1,5 cm lang
  • 1 rote Bio-Chilischote
  • 1 Prise Salz
  • 200 ml Essig aus Essigessenz und Wasser
  • 1 gute Prise gemahlenen Zimt
  • 1 gute Prise schwarzen Pfeffer aus der Mühle

Quittenchutney für den WeltfriedenDie Quitten vierteln und sorgfältig das Kerngehäuse entfernen, denn das wird beim Kochen nicht weich. Du kannst die Quitten schälen oder die Schale dranlassen, das ist egal. Auf jeden Fall sollten sie gewürfelt und dann in einem großen Kochtopf mit dem Zucker vermischt werden. Dabei geben sie schon reichlich Quittensaft ab. Die Schalotten und der Ingwer werden geschält, kleingehackt und zum Quitten-Zucker-Gemisch dazugegeben, ebenso die restlichen Zutaten, auch die entkernte und in feine Minifitzelchen geschnittene Chili. Nun kochst Du den Topfinhalt auf und lässt es einige Zeit bei leiser Temperatur schön weichköcheln.

In der Zwischenzeit legst Du vier bis sechs saubere Schraubgläser und deren passende Deckel in einen zweiten Topf, füllst diesen mit Wasser und bringst das Ganze zum Kochen, um die Gläser und Deckel zu sterilisieren.

Quittenchutney für den WeltfriedenDu kannst entweder ewig lange warten, bis die Quittenmasse halbwegs homogen eingedickt ist oder aber cheaten und mit dem Pürierstab im Topf herumfuhrwerken, bis das Chutney eine stückelige Apfelmuskonsistenz hat. Achtung: In diesem Zustand blubbert es fies und schleudert fröhlich kochendheiße Blobs durch die Gegend!

Die Gläser und Deckel hole ich vorsichtig mit einem Kochlöffelstiel aus dem kochenden Wasser und stelle sie zum Befüllen bereit. Mit einem Teelöffel fülle ich nun vorsichtig das Quittenchutney in die Gläser, ohne dass der Glasrand außen etwas abbekommt, der muss nämlich absolut sauber bleiben, sonst gammelt es und es bilden sich Bakterien. Zum Schluss den Deckel fest draufschrauben und das Glas kopfüber stehenlassen, bis es erkaltet ist. Dann sollte sich ein Vakuum gebildet haben und der Deckel sich in der Mitte nicht mehr eindrücken lassen. Fertig ist das Quittenchutney für den Weltfrieden!

Quittenchutney für den WeltfriedenJap, mein Quittenchutney ist für den Weltfrieden. Die Sache ist doch ganz einfach: Wenn jeder Mensch auf der Welt anderen Menschen selbstgemachtes Quittenchutney schenkt bzw. wenn jeder Mensch von einem anderen Quittenchutney geschenkt bekommt, dann haben im besten Fall alle ein viel freundschaftlicheres Verhältnis zueinander. Wie könnte ich mich bitte mit jemandem bekriegen, der einen Teil seiner einzigartigen, unwiderbringlichen, kostbaren Lebenszeit dazu verwendet hat, um mit großer Sorgfalt ein Quittenchutney für mich zu machen? Und wie sollte ich jemanden hassen, für den ich soviel Zeit und Energie aufgewendet habe, damit ich ihm ein Quittenchutney schenken kann? Na also.

Quitten am Baum
Quitten am Baum

Also mache ich in diesen Tagen kiloweise leckeres Quittenchutney und verschenke es an alle möglichen Menschen. Auf das Etikett schreibe ich (handschriftlich!) nicht nur, was in dem Glas ist, nämlich Quittenchutney, sondern auch, für wen es ist. Die ersten positiven Rückmeldungen kamen auch schon – es kommt scheinbar sehr gut an! Und Leute, die mir vorher lediglich die Hand gegeben haben, wenn sie mit begegnet sind, umarmen mich plötzlich zur Begrüßung. Schön, oder?! Am liebsten würde ich 8 Milliarden Gläser davon machen und jedem auf der Welt eines schenken (by the way – hat jemand Gläschen mit Schraubverschluss und intaktem Metalldeckel übrig und mag sie mir schenken?). Dann sähe die Welt gleich ganz anders aus.

Also Leute: Bringt fleißig Quittenchutney unters Volk!

Quittenbrot – der Zuckerkick
Quitten, frisch vom Baum geschüttelt
Quitten, frisch vom Baum geschüttelt

Im Zusammenhang mit der Verarbeitung von Quitten las ich auch erstmals über Quittenbrot. Mit Brot hat das ziemlich wenig gemein; vielmehr sind es zuckersüße kleine zarte und handgefertigte Pralinen, die sich super variieren lassen. Das Grundrezept ist das hier:

Quitten vierteln, das Kerngehäuse entfernen und die Quitten in etwas Wasser weichkochen. Dann das Wasser abgießen, die Quitten pürieren und die Quittenmasse wiegen. Genausoviel Gramm Zucker wie Quittenmasse hinzufügen und einrühren. Dann alles noch weiter einköcheln lassen, bis die Masse spürbar kompakter geworden ist und man mit dem Kochlöffel so „Bahnen“ am Topfboden ziehen kann. Es dauert etwa 45 – 60 Minuten, bis man dorthinkommt, bis dahin muss beständig gerührt werden. Eine ziemlich meditative, entschleunigende Arbeit also.

Wenn die Zeit reif ist, wird die eingedickte Quittenmasse etwa ein bis zwei Zentimeter dick auf ein Backpapier gestrichen. Und nun heißt es warten, bis das „Brot“ getrocknet und schneidbar ist. Das dauert ein paar Tage bis Wochen.

Dann kann es in Rauten oder Quadrate geschnitten, mit Förmchen ausgestochen, in Hagelzucker gewendet, mit Puderzucker bestäubt, mit Kokos, Pistazien oder Mandeln bestreut oder aber mit veganer Schokolade überzogen werden.

Zuerst war ich skeptisch und gelangweilt von der zeitintensiven Herstellung des Quittenbrots, aber nun, da es fast fertig ist und die geschnittenen Häppchen (jedenfalls diejenigen, die es bis zu diesem Tag geschafft haben, ohne von mir weggenascht zu werden) auf der Heizung trocknen, bin ich sehr begeistert von dieser köstlichen Leckerei! Ich könnte mir vorstellen, dass man das Rezept noch mit zusätzlichen Zutaten pimpen kann, etwa Zimt, Chiliflocken oder gemahlenen Mandeln. Da besteht auf jeden Fall noch Experimentierbedarf und für erprobte Tipps und Tricks bin ich dankbar!

QuittenbrotFeuerbohnen – jede ein Individuum

So langsam trocknen die riesigen grobschlächtigen Schoten, in denen sich die Feuerbohnenkerne befinden. Etwa vier oder fünf dieser Bohnenpflanzen haben es dieses Jahr im Garten geschafft zu überleben, und nun beschenken sie mich mit wunderschönen Kunstwerken, von denen jedes einzigartig ist. Ihre Anzahl ist ziemlich überschaubar und sie sind wirklich zu schön zum Essen … deswegen trocknen wir die Bohnen auf der Fensterbank und werden sie nächstes Jahr als Saatgut verwenden, um sie im größtmöglichen Stil anzubauen — dann wird es uns sicher leichterfallen, sie als Nahrungsmittel zuzubereiten.

Feuerbohnenernte 2015Kostenloses Waschmittel aus Kastanien

Dazu brauche ich an dieser Stelle nicht mehr viel schreiben, denn dem Wäschewaschen mit Kastanien habe ich ja schonmal einen eigenen Artikel gewidmet.

Auf dem Rückweg vom Garten nach Hause entdeckte der aufmerksame David im Permakulturpark einen Schwall Kastanien am Wegesrand. Kurzerhand sammelten wir die Kastanien alle ein und nahmen sie mit, um dieses Jahr wieder Waschmittel für die Waschmaschine herzustellen. In den letzten Monaten verwenden wir nämlich nur containertes, unveganes Billig-Chemie-Teufelszeug-Waschpulver, und nun freue ich mich darauf, mit dem Kastaniensud endlich wieder umwelt- und hautschonend zu waschen.

Während ich hier tippe, weichen 1,7 Kilo zerkleinerte Kastanien in drei Litern Wasser ein. Davon kann ich gefrorene Waschmitteltabs für 33 Wäschen herstellen, also ungefähr für ein Zweidritteljahr damit die Wäsche waschen.

Kräuter trocknen

Kräuter sind in diesem Jahr zu meinem absoluten Lieblingssteckenpferd mutiert! Ich liebe es, neue Kräutersorten zu entdecken, anzupflanzen, zu ernten, zu vermehren und natürlich im Essen zu verwenden! Besonders Minzen haben es mir angetan: in unserem Garten wächst inzwischen Schokoladenminze, Erdbeerminze, marokkanische Minze, Bergminze und Altai-Katzenminze. Einige andere Minzesorten, die ich heimlich woanders gepflückt habe, wurzeln fröhlich in einem Wasserglas vor sich hin und möchten endlich eingetopft werden. Aber nicht nur Minzen peppen unsere Mahlzeiten auf, sondern auch selbstgezogene Zitronenmelisse, zwei Sorten Thymian, griechischer Oregano, drei Sorten Basilikum, Rosmarin, Liebstöckel und Borretsch.

Fast alle sind winterhart und die meisten lassen sich durch Aufhängen und Trocknen konservieren. Thymian wird dadurch sogar ungleich geschmacksintensiver als im frischen Zustand! Ich habe mich mal an Rosmarin, Basilikum, Thymian und einigen Minzen versucht und dabei festgestellt, dass es ganz einfach ist, eine Minzteemischung selberzumachen. Sprich, einfach die Blätter trocknen zu lassen und dann mit heißem Wasser aufzugießen. Ich als Straight-Edger trinke ja keinen Tee, aber David war davon sehr angetan und es hat ihm geschmeckt (besser als mein Zitronenmelisseteeexperiment, das war wohl etwas gewöhnungsbedürftig …).

Außerdem gab es neulich einen kleinen Disput zu den kleinen Büscheln violetten Basilikums, die seit einigen Wochen in unserem Wohnzimmer trocknen. Als sie endlich komplett trocken waren und ich die Basilikumblätter in ein Schraubglas füllen wollte, wollte David nicht, dass ich sie von dem Holzbalken nehme, an dem sie hängen, weil er sie dort so dekorativ findet. So hängt der Basilikum immer noch bei uns im Wohnzimmer und darf dort auch erstmal bleiben — zum Glück habe ich im Sommer auch reichlich Basilikum eingefroren und vor ein paar Wochen neuen in zwei Töpfen auf der Küchenfensterbank ausgesät, um uns kräutertechnisch über den Winter zu bringen …

getrockneter Rosmarin

Kapuzinerkressepesto

Nur für lediglich zehn Pflänzchen reichte das Kapuzinerkressesaatgut, das wir Anfang des Jahres bei Dreschflegel bestellt hatten. Acht der Samen keimten und nicht alle der Pflanzen überlebten. Zwei davon stehen zu Hause auf unserem Südbalkon, wo sie zwar mickrig klein sind, aber dafür fleißig Saatgut für die nächste Saison produzieren, und drei setzten wir ins Hochbeet, wodurch es zu einer wahren Kapuzinerkresseexplosion kam. Irgendwie hatten wir übersehen, dass auf dem Samentütchen „rankende Farbmischung“ stand. Umso überraschter waren wir, als die Kresse sich mehr und mehr im Hochbeet breitmachte, um es schließlich komplett für sich einzunehmen. Wir kommen kaum mit dem Ernten der Blätter hinterher, deshalb habe ich nun beschlossen, mich in den nächsten Tagen in der Herstellung von Kapuzinerkressepesto zu versuchen. Angeblich soll das mehrere Wochen im Kühlschrank halten, so man denn Öl auf das Pesto gießt und das Glas dann gut verschließt. Ich bin gespannt und werde berichten.

David genießt den goldenen Herbst 2015 auf der selbstgezimmerten Bank vor dem Kapuzinerkresse-Hochbeet
David genießt den goldenen Herbst 2015 auf der selbstgezimmerten Bank vor dem Kapuzinerkresse-Hochbeet

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