Sadhana Forest Auroville, Part I — Vorbereitungen auf Hochtouren

Yay, ich erfülle mir einen 17 Jahre alten Herzenswunsch: ich gehe nach Indien! Dort werde ich für zwei Monate in einer bioveganen internationalen Gemeinschaft namens Sadhana Forest leben und helfen, einen tropischen Wald wiederaufzuforsten. Über meine Reiseplanung und die Reisevorbereitungen möchte ich hier berichten.

Letzten Sommer schenkte mir die liebe Meike von der veganen SoLaWi Wildwuchs, bei der ich insgesamt sechs Wochen gewwooft habe, eine Ausgabe von Growing Green International, das Magazin des Vegan Organic Network. In dieser Zeitschrift stieß ich erstmals auf den Sadhana Forest und dachte mir so: „Wie cool, es ist vegan, bio, international, es tut was für die Umwelt und befindet sich in Indien. Das wäre genau meins.“

Eine Idee keimt …

Wahrscheinlich brauchte dieses kleine Ideenkörnchen einfach seine Zeit, um in meinem Unterbewusstsein zu keimen, heranzureifen und schließlich an die Oberfläche durchzubrechen, denn es vergingen einige Monate, ohne dass ich ihm weiter Beachtung schenkte. Na ja, ich hatte letztes Jahr auch genug andere tolle Sachen um die Ohren: neben zweimaligem Wwoofen war ich noch in Irland, schrieb mich an der Uni Düsseldorf ein, studierte volle zwei Wochen dort, stellte fest, dass mir Studieren seit dem Wwoofen keine Erfüllung mehr bringt, warf meine Berufsplanung komplett um, schrieb kurzerhand Dutzende von Bewerbungen für einen Ausbildungsplatz zur Gemüsegärtnerin, bekam Einladungen von Bio-Höfen und arbeitete bei einigen ein paar Tage zur Probe. Schon war das Jahr 2015 vorbei. Schon lag ein herrlich leeres neues Jahr vor mir, welches es nun mit meinem Leben zu füllen gilt.

Vor ein paar Wochen erzählte mir David dann von einer indischen Stadt namens Auroville, die sich ziemlich abgefahren anhört. Nicht sofort, aber etliche Tage später beschäftigte ich mich ein bisschen eingehender mit dieser Stadt. Ich kann es nicht genau rekonstruieren, aber irgendwie muss ich im Zuge dessen wieder auf den Sadhana Forest gestoßen sein, der nämlich Teil von Auroville ist. Eines kam zum Anderen. Vor ungefähr zwei Wochen (in den letzten Tagen des Dezembers 2015) nahm ich mir endlich die Zeit, mehr über Sadhana Forest zu lesen, und war hin und weg von dem ganzen Konzept. Ich wollte einfach nur dahin. Sofort. Well, nicht sofort, aber zumindest bald, auf jeden Fall aber 2016, im Sommer oder so.

… und nimmt Gestalt an

Mittlerweile war das neue Jahr noch gar nicht angebrochen, aber schon mit vielen tollen Aktivitäten verplant: Im Januar arbeite ich zur Probe bei einem sehr vielversprechend klingenden Biohof, bei dem ich supergerne meine Ausbildung machen würde, danach möchte ich im Schwarzwald auf einem Mammutbaumhof wwoofen, im April und Mai werden David und ich gemeinsam den Jakobsweg zuende laufen (ich hab schon 180 km hinter mir), direkt danach ziehe ich für unbestimmte Zeit auf den bioveganen Hof Hausmann zu Jana und Daniel, hoffe im Anschluss zu einem weiteren Biohof zu ziehen, der mich zum Wwoofen eingeladen hat, um dann schlussendlich im August vorerst vollends den Wohnort zu wechseln und mit meiner heißersehnten Ausbildung zur Gemüsegärtnerin zu beginnen. Irgendwo dazwischen wollte ich im Sommer dann noch einen Trip nach Indien quetschen.

Gott sei Dank war ich so geistesgegenwärtig, mir vor der Organisation meiner Reise anzulesen, wann und wie überhaupt die Monsunzeiten in Indien sind. Hat man ja schonmal gehört. Regenzeit und so. Wann sind wohl die Monsunzeiten in Südindien? Richtig — ab Juni. Im Sommer, meinem einzig flexiblen time slot, in dem es gepasst hätte. Ich war sehr enttäuscht, wütend und traurig zugleich. Dieses Jahr also nix mit Indien. Menno. Es sei denn …

Nägel mit Köpfen, und zwar sofort

Es sei denn, ich lasse das Frühjahrswwoofen im Schwarzwald erstmal sein, fliege stattdessen so bald wie möglich nach indien und komme wieder, bevor es auf den Jakobsweg geht. Das war ein geradezu irrwitziger Gedanke. Die Zeit würde doch gar nicht dazu reichen, alles Nötige dafür zu organisieren, versuchte ich mir einzureden. Es ist ja schon fast Januar.

Eines meiner Hauptanliegen, um ein glückliches Leben zu führen, ist es, meine eigenen Ängste zu erkennen, zu analysieren, anzunehmen und wegzuarbeiten. Und genau das war es, was mich die Ausreden schwingen ließ: Angst. Angst vor etwas Neuem. Das gestand ich mir schließlich ein. Das einzige Hindernis, etwas zu tun, was ich mir seit meinem 17. Lebensjahr wirklich so richtig inständig wünsche, nämlich nach Indien zu reisen, war meine verfluchte Angst, die sich nicht einmal konkret auf irgendetwas richtete. Ich wusste, was zu tun war:

Reisevorbereitungen treffen!

Zunächst einmal schrieb ich die Leute vom Sadhana Forest an und fragte, ob ich denn überhaupt im Februar für zwei Monate vorbeikommen könnte. Die Antwort war deutlich: Gerne!

Okay. Nun musste ein Visum her. Nach einigem Gesuche im Internet fand ich die Seite der indischen Botschaft, die zum Onlineformular für den Touristenvisumantrag verlinkt. Es gibt auch ein e-Tourist Visa mit schneller Bearbeitungszeit, jedoch gilt dieses Visum nur einen Monat. Das fiel für mich also leider schonmal weg. Das normale Touristenvisum benötigt aber eine Bearbeitungszeit von 2 – 3 Wochen, wenn man es postalisch (mit frankiertem Rückumschlag) beantragt!! Unglaublich. Schon wieder ein herber Rückschlag für mich. Daran sollte es also scheitern. Doch halt — im Internet steht: Wenn man das Visum beim jeweils zuständigen Visumservice persönlich beantragt, dauert die Bearbeitung nur 2 – 3 Tage. Merkste selber, ne, lieber Visumservice? So ein Scheiß. Ich tat, was ich tun musste: Ich buchte einen Fernbus, heizte kurzerhand drei Stunden lang nach Frankfurt, denn dort sitzen die u.a. für NRW zuständigen Indo-German Consultancy Services, zog eine Wartenummer, wartete, wurde aufgerufen und beantragte also vor Ort mein Visum. Ich bat darum, mir meinen Reisepass per Post zurückzuschicken, weil ich extra aus Dortmund angereist war. Die Bearbeiterin wies mich darauf hin, dass ich dafür einen anderen Rückumschlag bräuchte, denn meinen hatte ich nur mit 1,45 € frankiert. Sie würden aber Reisepässe nur per Einschreiben für drei Euro irgendwas verschicken. Seufz. Super. Das stand natürlich nirgendwo auf deren Webseite. Ich hatte eine Stunde Zeit, einen ausreichend frankierten Rückumschlag zu besorgen, denn dann würde das Büro schließen. Und, so teilte mir die Bearbeiterin noch mit, dann würde die Bearbeitung des Visums übrigens 2 – 3 Wochen dauern. Irritiert hakte ich nochmal nach. Ich hatte es doch persönlich beantragt. Tja: Die kurze Bearbeitungsdauer kommt nur zustande, wenn man das Visum natürlich auch wieder persönlich abholt! Gna! Auch das hatte die Webseite vergessen zu erwähnen. So gab ich mich also geschlagen und murmelte grimmig: „Denn hol ich das wieder ab.“

Zwei Tage später kam die eMail-Benachrichtigung darüber, dass ich den Reisepass abholen könnte. Kein Wort darüber, ob ich das Visum denn bekommen hätte oder nicht. Ich hoffte inständig, dass alles glattgelaufen war, und fuhr schon wieder drei Stunden mit dem Fernbus nach Frankfurt. Das Wartezimmer war brechend voll. Ich zog eine Nummer; vor mir waren noch 27 weitere Personen dran. Das war doof. Ich hatte nämlich eine Rückfahrt für 12 Uhr mittags gebucht — ich wollte nicht so wie beim ersten Mal stundenlang im winterlichen Frankfurt rumhängen müssen. Heute wurde alles sehr knapp.

Kurz bevor meine Nummer aufgerufen wurde — es war inzwischen halb zwölf — kam ein Paar zur Tür herein, ging auf einen Stehtisch zu, warf dort einen Bogen Papier, der meinem Abholschein verdächtig ähnlich sah, in einen Ablagekorb, wartete eine halbe Minute, nachdem eine Frau den Zettel aus dem Korb heraus- und mitgenommen hatte, und nahm seine Reisepässe in Empfang. Ich schob mich in die Richtung dieses Szenarios an den zuvor unbemerkten Stehtisch. Tatsächlich, da klebte ein Zettel dran: Hier den Abholschein reintun und der Reisepass wird prompt überreicht. Gna! Ich tat den Abholschein rein. Er wurde sofort rausgenommen. Zehn Sekunden später hielt ich meinen Reisepass samt sechs Monate gültigem Visum in der Hand. Nun ja, ich hatte nicht wirklich Zeit verloren durch die unnötige  Warterei auf meine Nummer. Ich musste ja eh auf meinen Fernbus warten. Aber etwas frustrierend war es doch. Zumindest hätte ich mir dadurch vielleicht sparen können, die Gespräche der anderen Wartenden mitanhören zu müssen, die sich Horrorgeschichten darüber erzählten, dass man als Frau bloß nicht alleine durch Indien reisen sollte. Wie dem auch sei: Ich habe mein Visum in der Tasche!

Heute (11.01.) habe ich meinen Hin- und Rückflug gebucht. Ab Frankfurt Flughafen, hurra, und davor wieder drei Stunden Fahrt mit dem Fernbus. Ich fliege über Dubai (klingt das dekadent), muss dort zwei Stunden ausharren und fliege dann weiter nach Chennai. Von dort hoffe ich mit dem Taxi direkt bis zum Sadhana Forest fahren zu können. Den mir empfohlenen Taxifahrer, mit dem das Sadhana-Forest-Projekt zusammenarbeitet, muss ich noch anmailen und alles Weitere abklären. Es fühlte sich so unwirklich an, diese Flugbuchung. Mir war ganz mulmig. Ich zögerte kurz. Die Angst ist noch da. Ich möchte sie weghaben. Und das geht nur, wenn ich es einfach mache. Egal was: einfach machen.

Einfach machen

Was ich mit diesem Bericht über meine Reisevorbereitungen deutlich machen will ist, dass es geht. Es geht, sich spontan dafür zu entscheiden, für zwei Monate in ein Land zu gehen, in dem man noch nie zuvor gewesen ist, und für das man ein Visum braucht. Es geht. Man muss nur sofort damit anfangen, alles dafür Notwendige in die Tat umzusetzen. Verblüffend einfach, oder? Von meinem Entschluss, es zu machen, bis zu meiner Flugbuchung sind genau 15 Tage vergangen.

Kleinkram organisieren

Wenn ich nicht gerade nach Frankfurt fahre, kümmere ich mich um die Kleinigkeiten, die bis zu meiner Abreise noch organisert sein wollen: Ich musste einige Sachen einkaufen. Ein Moskitonetz, einen Mooncup, ein Zahlenschloss, Mückenspray, einen Stromadapter, Gartenhandschuhe, eine Nylonschnur. In der eMail von den Sadhana-Forest-Leuten war alles, was ich dort benötige, genau aufgelistet. Vorher nochmal zum Zahnarzt wäre gut. Und ich muss irgendwie noch realisieren, dass ich heute in drei Wochen nach Indien fliege. So ganz ist das noch gar nicht bei mir angekommen.

>> Sadhana Forest Auroville, Part II — Packliste und Vorfreude

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