Straight-Edge-Chai-Tee à la Sadhana Forest

Während meiner Zeit in Sadhana Forest gab es dort des Öfteren köstlichen selbstgemachten und vor allem teein- und koffeinfreien Chaitee aus frischer Kokosnuss und Gewürzen. Heute habe ich diesen Tee erstmals in meiner Dortmunder Homebase gekocht und möchte euch mit einem Freestylerezept an meiner Freude teilhaben lassen.

Als ich mich vor mehr als zwei Jahren dazu entschied, mein Konsumverhalten straight edge auszurichten, also meinem Körper mehr Achtung zu schenken, indem ich Alkohol, Tabak, Drogen, Koffein und Teein rigoros aus ihm verbanne, geschah das über einen Zeitraum von neun Wochen in einigen kleinen Schritten: ohne mein Zutun ließ ich unbewusst, geradezu wie von selbst, das gelegentliche Alkoholtrinken sein; zwei Wochen später rauchte ich erleichtert meine letzte Zigarette (bzw. zündete sie an, um sie nach einem Zug sofort angewidert würgend auszudrücken). Danach wünschte ich mir, das Kaffeetrinken sein zu lassen und stieg deshalb auf Tee um, obwohl ich Tee gar nicht mochte. Cola fand ich schon immer zum Kotzen und Club Mate rührte ich seit jenem schicksalhaftem Tag 2012, als mir eine geschlossene Mateflasche in der Hand explodierte und mich umgehend mit Blaulicht ins Krankenhaus beförderte, sowieso nicht mehr an. Für etwa einen Monat war also Tee mein einziges Nicht-Edge-Laster, dem ich frönte, bis ich irgendwo im Internet las, dass der Körper anderthalb Wochen benötigt, um das Teein vollständig abzubauen. Also setzte ich mir den ersten März 2014 als deadline für meinen letzten Becher Tee, weil ich einer Intuition folgend an meinem Geburtstag „clean“ sein wollte. Was natürlich Blödsinn ist, weil mein armer Körper immer von den Langzeitfolgen meiner früheren unvernünftigen Lebensweise gezeichnet sein wird. Stichwort acht Jahre rauchen und so.

All diese kleinen Entscheidungen traf ich immer dann, wenn es sich für mich richtig anfühlte. Und es fühlte sich jedes Mal gut an loszulassen! All das Überflüssige, auf das ich seitdem aus freien Stücken, meinem Herzen folgend, verzichte, habe ich bislang genau null Komma null Mal vermisst. Im Gegenteil — ich freue mich immer, wenn ich mir bewusst mache, dass ich durch bewusst getroffene Entscheidungen meinem lieben Körper etwas Gutes tue und dadurch, zusätzlich zu meiner veganen Ernährung, noch ein wenig gesünder lebe.

In der veganen internationalen Community Sadhana Forest werden genau diese Werte — alkoholfrei, rauchfrei, drogenfrei, koffeinfrei — aufgegriffen und gelebt, was mir natürlich sehr gelegen kam, als ich Anfang dieses Jahres dort lebte. Und was ich nicht wirklich für möglich gehalten hätte: Ich trank dort Tee! Chaitee nämlich, der dort immer aus frischen Kokosnüssen zubereitet wird und völlig frei von Teein ist. Obwohl ich Tee auch schon immer extremst ekelerregend fand (heißes Wasser mit Geschmack, bäh!), war es ja ein paar Wochen ein armseliges Surrogat für meinen heißgeliebten Sojalatte Macchiato gewesen, bis ich bereit für den letzten Schritt war. Aber der Sadhana-Chai ist anders. Er ist so lecker! Und heute fügte es sich für mich, diese köstliche Kreation endlich nachzukochen. Ich hatte aus Indien kein Rezept mitgebracht und nur am Rande mitbekommen, wie dieser Tee zubereitet wird. Umso überraschter war ich heute, dass er mir auf Anhieb gelang und geschmacklich genau wie sein indisches Original anmutet, sodass ich nach dem ersten Schluck total unvorbereitet in die main hut zum Neun-Uhr-Frühstück zurückkatapultiert wurde.

Und hier ist die Anleitung für den wunderbaren Straight-Edge-Chai-Tee à la Sadhana Forest mit ungenauen Mengenangaben, so wie ich ihn heute nachgekocht habe:

Zutaten:

  • das Fruchtfleisch einer Kokosnuss
  • ca. 1,5 Liter kaltes Wasser
  • Kardamom (gemahlen oder als Kapseln)
  • Zimt
  • evtl. noch andere Gewürze wie Sternanis und Muskat
  • eine halbe Tasse Wasser und 2 EL Rohrohrzucker für das Jaggery

Zubereitung:

Du jagst das Kokosfruchtfleisch durch eine Reibe und füllst die geriebenen Kokosflöckchen in einen Nussbeutel oder einen wasserdurchlässigen Spritzbeutel oder in ein sauberes Geschirrhandtuch. Die anderthalb Liter Wasser füllst Du in einen Kochtopf, hältst den Beutel mit Kokos hinein und knetest diesen einige Minuten gut durch, bis das Wasser nicht nur milchig, sondern richtig weiß und etwas cremig ist. Wring den Beutel zum Schluss nochmal richtig schön über dem Topf aus und lege die Flocken beiseite. Du kannst sie für etwas anderes weiterverarbeiten, beispielsweise für ein Chutney, Porridge, Daal, Ladoos oder zum Vermengen mit Ananasstücken.

Nun kannst Du die Kokosmilch mit den Gewürzen verfeinern und aufkochen. Nebenbei bereitest Du Dir in einem kleineren Topf ein wenig Jaggery zu, das ist nichts anderes als ein Sirup aus aufgekochtem Rohrohrzucker mit Wasser verquirlt.

Und das war’s auch schon!

Mit einer Kelle schöpfst Du den Chaitee in Deinen Lieblingsbecher, rührst ein, zwei, drei Esslöffel Jaggery hinein und zelebrierst eine entschleunigende Teepause.

Om!

vegan chai tea

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