Unterwegs im kleinsten Wohnmobil der Welt

Ein hoffentlich inspirierender und ermutigender Erfahrungsbericht für alle diejenigen, die denken, ihr Auto sei zu klein für einen Wohnmobil-Road-Trip!

Melmoth ist schon etwas älter. Sechzehn oder siebzehn, glaube ich. Er ist schwarz und rund, was ihm den Spitznamen „Das rasende Riesenlakritz“ einbrachte. Aber so riesig ist er gar nicht. Eher klein. Eine Knutschkugel. Melmoth ist ein Opel Corsa B, und wir haben im März während eines zweiwöchigen Road Trips durch Deutschland, Tschechien und Österreich einige Tage und Nächte in ihm gewohnt und geschlafen. Und das ging prima!

Das Vorspiel

Im März habe ich meistens Geburtstag. Traditionell sind David und ich immer irgendwo im Urlaub, wenn einer von uns Geburtstag hat. Dieses Jahr wollte ich meine Freunde Karin und Marco in ihrer Community in Österreich besuchen, also entschieden wir uns – weil ja der Weg das Ziel ist! – für einen Road Trip ohne feste Planung, damit wir möglichst viel erleben. Zur Vorbereitung ließen wir zunächst einmal einige Zipperlein an Melmoth beheben, damit er die lange Strecke überhaupt bewältigen konnte. Dann packten wir so wenig Kram wie möglich in zwei Sporttaschen, bauten die Bassbox aus dem Kofferraum aus, klappten die Rücksitze um und stopften eine 90 x 200 Zentimeter große Schaumstoffmatratze hinten rein und Bettzeug oben drauf. Sicherheitshalber klemmten wir auch noch unser kleines Zelt hinter den Beifahrersitz. Im März war es noch kalt, nass, frostig und verschneit, und wir waren uns des waghalsigen, unbedachten Unterfangens bewusst. Das machte es umso spannender! Wir beschlossen, einfach auszuprobieren, inwieweit wir mit der kleinen Karre unterwegs sein konnten, ohne irgendwo für Übernachtungen zahlen zu müssen. Also vollgetankt und los!

Schneegestöber im Erzgebirge

Wir starteten von unserem Bauernhof Fruitlands aus und fanden uns nach kurzem Zwischenstopp in Halle (Saale) schließlich in Dresden ein. Das Wetter war geht so, aber dennoch guckten wir in der Stadt herum und nahmen auch kurz in der Frauenkirche Platz. Sie sieht von innen aus wie ein hippes Café, finde ich. Mit ihren Rosa-Babyblau-Schnörkel-Pastellfarben-Interieur. Außerdem Essen: Wir essen uns ja immer durch die Welt! Ich zähle jetzt nicht alle Locations auf, in denen wir essen gingen, aber es ist schon ein fundamentaler Stützpfeiler unserer Reisen, vor Ort möglichst viele vegane Angebote auszutesten. Satt, zufrieden und vom Dauerregen durchnässt fuhren wir also weiter Richtung Tschechien. Kurz vor der tschechischen Grenze empfingen uns die ersten verstörenden Schilder: MAUT

Maut? Maut?!? MAUT?!?!?! „Das kostet Maut?“, rief David hysterisch aus, riss das Lenkrad rum und fuhr die nächstbeste Abfahrt von der Autobahn runter. In irgendeinem kleinen Erzgebirgsdörfchen hielten wir und machten uns ersteinmal im Internet schlau. Ja, Maut, ganz recht. Und bei der Gelegenheit erfuhren wir auch, dass Tschechien gar keinen Euro hat, sondern Tschechische Kronen; wir Politikbanausen! Hatten wir tschechische Kronen? Konnten wir die tschechische Maut bezahlen? Nein, natürlich nicht. Aber glücklicherweise gibt es offenbar noch mehr so Vollhorste wie wir, und man kann die Vignette auch in Euros bezahlen. Nach all dem Schrecken und den Infos zum Tagesende beschlossen wir, unseren ersten Schlafplatz noch auf deutschem Boden auszusuchen, denn mittlerweile brach schon die Dämmerung herein. So ließen wir uns von unseren Gefühlen und dem Schicksal leiten und kurvten durch das tiefste Erzgebirge. Das Universum schickte uns zum Parkplatz eines Aussichtspunktes irgendwo im Nirgendo. Ein unschätzbarer Vorteil, im März unterwegs zu sein: touristsisch gesehen herrscht bei allen sonst starkfrequentierten Spots absolute Flaute. Wie ein weites, schweigendes Feld lag der große Parkplatz, auf dem sich im Sommer die Reisebusse voller Senioren tummeln, in der aufsteigenden Dunkelheit da. Unser kleines Auto im letzten Winkel des Parkplatzes war nur ein schwarzes, verloren wirkendes Pünktchen. David und ich marschierten vom Parkplatz aus einen breiten Wanderweg, eher eine Schotterstraße, entlang auf den nahegelegenen Hügel zu besagtem Aussichtsplatz. Auf der Hügelkuppe war es auch echt nett: eine rudimentäre Nurdachhütte mit Holzbänken, ein Mülleimer und eine atemberaubende Aussicht auf einen still im Mondlicht schimmernden Stausee drunten im Tal. Und ein Schild: „Keine Autos“. Wir holten das Auto.

Der erste Schlafplatz: ein Aussichtspunkt mit Schutzhütte auf einem Berg

Hier den Abend und die Nacht zu verbringen war viel schöner als da unten auf dem öden Parkplatz direkt an der Landstraße! Im nahegelegenen Dorf hatten wir uns bereits mit allerhand essbarem Zeug eingedeckt und genossen nun also bei Fruchtsaft, Bier und Hoummus mit Cräckern einen ruhigen Abend in der Stille des Erzgebirges. Schnee setzte ein. Ein richtiges Schneegestöber mit dicken Fusselflocken! Etwaige Befürchtungen, wir könnten nachts im Auto (er)frieren, zerschlugen sich sofort, als wir es uns in unserem rollenden Bett gemütlich machten. Es war kuschelig warm unter der dicken Bettdecke und die Matratze war bequem. Wir und die Matratze passten genau in das Auto, wenn man die beiden Vordersitze nach vorne umklappte; sogar David mit seinen 1,82 m Körperlänge hatte genug Platz.

Aussicht von unserem ersten Schlafplatz im Erzgebirge in der Abenddämmerung

Das Schneegestöber hielt noch die ganze Nacht an, und der nächste Morgen war frostig-klar und die Welt ein bisschen verschneit. Wir genossen die tolle Aussicht, die sich uns nach dem Auftsehen bot. Aber wir wollten weiter. Zeit, sich in ein anderes Land abzusetzen: Ab nach Tschechien!

Tag in Prag

Das mit der Vignette und dem Geld bekamen wir gut hin. Und kurze Zeit nach unserem Aufbruch aus dem Erzgebirge hielten wir glorreichen Einzug in Prag!

Passend zu unserem Unterfangen empfing uns dieses Graffito am Ortseingang von Prag

Neben dem obligatorischem Abchecken der veganen Gegebenheiten (Loving Hut!) wollte ich gern einem meiner literarischen Helden, Franz Kafka, die letzte Ehre erweisen. Sein Grab sieht lieblos und trist aus. Ich dachte wirklich, es sei schöner. Vielleicht war es aber auch nur das regnerische Wetter.

Das Grab von Franz Kafka

Über die Karlsbrücke latschten wir auch; das sollte man laut der Papierflut, die einem im Tourist Office entgegenschwallt, unbedingt getan haben.

Die Karlsbrücke in Prag

Nach diesem erlebnisreichen Tag, an dem wir mehrere Kilometer zu Fuß durch die Stadt zurückgelegt hatten, verließen wir die Metropole wieder, und machten uns erschöpft auf die Suche nach dem nächsten Nachtplatz. Wir ließen Prag hinter uns und fuhren Richtung Süden, bis wir auf der Karte einen größeren See, wohl eine Art Trinkwasserreservoir, entdeckten. Am See, oder vielmehr an der Straße, die um den See herumführt, fanden wir einen großen Parkplatz für Pkw und Busse. Auch hier war es menschenleer, sodass wir hier gut die Nacht verbringen und nach dem vielen Laufen unsere müden Beine ausruhen konnten. Nur die Scheinwerfer der vorbeifahrenden Autos störten mich manchmal; wir parkten ja direkt an der Straße.

Der zweite Schlafplatz: ein Parkplatz an einem See kurz hinter Prag

Am nächsten Morgen brutzelte David uns mit unserem tragbaren Gaskocher-Köfferchen ein kleines Frühstücksmahl zusammen, während ich mir das merkwürdige Grundstück besah, zu dem dieser Parkplatz gehörte. Ein seltsames, in die Erde eingelassenes Gebäude stand darauf, umsäumt mit einem halbfertigen Lehrpfad über Wasser und einem leeren Teich mit Baggerspuren. Irgendwas war da gerade in der Mache. Auf einem Schild stand irgendetwas mit einer Öffnungszeit ab 9 Uhr, jedenfalls interpretierte ich das mit meinen nichtvorhandenen Tschechischkenntnissen so. Lustigerweise waren wir zufällig um Punkt neun Uhr fertig mit Frühstücken und Packen und sausten davon, noch ehe jemand an diesem irgendwie komischen Ort eintraf.

Frühstück an der Bordsteinkante mit Morgensonne

Wien! Wien! Wir fahren nach Wien!

Die nächsten Stunden ballerten wir straight durch Tschechien durch und heizten direkt nach Wien. Blöderweise war es in und um Wien schwierig, einen guten Platz zum Übernachten zu finden. So bogen wir um kurz nach 15 Uhr in die Einfahrt eines Wiener Campingplatzes ein. Doch die Rezeption war verschlossen, obwohl sich noch jemand darin befand. Sie schloss ab 15 Uhr und wenn man später ankam, sollte man sich alleine einen Zeltplatz suchen und am nächsten Morgen bezahlen, plauderte ein Schild fröhlich. Wir überlegten hin und her. Ich plädierte dafür, entweder außerhalb des Campingplatzes an der (leider vielbefahrenen) Straße zu parken, wo es nichts kostete, oder aber auf dem Campingplatz unser Zelt aufzubauen und morgens früh einen polnischen Abgang zu machen. David, wie immer ganz die Ehrlichkeit in Person, war eher dafür, den Campingplatz zu nutzen und gewissenhaft, wie es sich gehört, auch zu bezahlen. Immerhin hatte uns der Rezeptionist ja sehr wohl bemerkt, als wir an der Tür rüttelten. Selber Schuld, wenn der uns um zwei nach drei nicht aufmacht, fand ich, dann muss der damit rechnen, dass man hierbleibt und am nächsten Tag wieder abhaut, ohne dafür zu blechen. Ich ging erstmal duschen. Die Duschen waren kostenlos, man konnte sie einfach benutzen. „Lass uns wieder abhauen“, schlug ich nach dem Duschen vor. Aber letztlich gewann Davids unerschütterliche Loyalität und wir bauten unser unverwüstliches Zelt in der letzten Ecke des Campingplatzes auf. Nun hatten wir also einen sicheren, ruhigen Platz für die Nacht organisiert, aber da es erst früher Abend war, stürzten wir uns per Bus noch ins Wiener … naja, Frühabendsleben. Auf Anraten meiner Freunde Kaya und Jan, die hier schon vor Jahren Urlaub gemacht hatten, besuchten wir den vegan-vegetarischen Pub „Rupp’s„. Eine gute Wahl.

Die Nacht im Zelt war ungemütlich und kalt. Ich vermisste das Auto. Obwohl wir die Matratze und das Bettzeug ins Zelt verfrachtet hatten, fror ich doch ziemlich und fand die flatternden Zeltplanen blöder als den schützenden Autohimmel. Ich zog für mich das Fazit: ich schlafe lieber im Auto als im Zelt. Zumindest jetzt, im März, in Österreich. Und dann bezahlten wir bei diesem Heini am nächsten Morgen auch noch zwanzig Euro dafür. Das Wild-Parken war mir sehr viel lieber!

Wir verbrachten den Rest des Tages in Wien, besuchten Museen, gingen andauernd essen, sahen uns Kirchen an … Und natürlich durfte ein Besuch des Riesenrades nicht fehlen!

Das Wiener Riesenrad
Und so sieht es aus, wenn man drin ist

Ein etwas in die Jahre gekommenes Hundertwasser-Haus schauten wir uns auch an. Wie der Stil wohl an unserem Bauernhaus auf Fruitlands aussehen würde?, überlegte ich laut. Ich mag’s ja bunt und unkonventionell!

Hundertwasser-Haus in Wien
Mitten im Gewitter

Abends verließen wir Wien wieder, obwohl ich das Gefühl hatte, in dieser Stadt auch nach drei Wochen noch nicht alles gesehen haben zu können. Vielleicht komme ich ja mal wieder und bleibe länger.

Weiter ging es also Richtung Westen. Wie wir so die Autobahn entlangrasten, huschte da plötzlich ein winziges Schildchen an uns vorbei. „Myra-Fälle“. Wir guckten uns an und dachten beide dasselbe: Hin! Wir bogen von der Autobahn ab und schlängelten uns durch die österreichische Gebirgslandschaft. Nach einigen kleinen Örtchen kam das Ortsschild eines weiteren kleinen Örtchens: Muggendorf, und daneben wieder einer dieser großformatigen „Hey, ihr Touristenbusse – bitte alle mal hierher!“-Parkplätze. Menschenleer, einsam und verlassen, inmitten der Berge, mit einer Holzbank, auf der man gut Erdnüsse essen konnte, einem tollem Ausblick auf das ins Tal gequetschte Dörflein und ein verschneites Gebirgspanorama am Horizont. Wir waren da. Das war unser Schlafplatz für die kommende Nacht. Sie sollte die lauteste des ganzen Road Trips werden.

Der nächste Schlafplatz: Mitten in österreichischer Gebirgslandschaft auf dem Parkplatz eines nahegelegenen Wasserfalls

Wir befanden uns im tiefsten Schlummer, eingemümmelt in Deckenberge und bauschige Kopfkissen, als das Gewitter aufzog. Mitten in der Nacht begann es, in Strömen zu gießen, dazu rollte der Donner über unsere Köpfe hinweg und die Blitze krachten im Akkord vom Himmel. Unwetter, und was für eines! Die Besonderheit war jedoch, dass das Gewitter, also die Gewitterwolken, sich ungefähr auf unserer Höhe befanden, und wir also mittendrin waren in diesem Tohuwabohu, Wahnsinn! Es war einfach nur laut. Wie gut, dass ich Gewitter sehr liebe, und dass David sich sowieso durch nichts aus der Ruhe bringen lässt. Also ich fand die Nacht jedenfalls aufregend! Trotzdem konnte ich ab halb fünf Uhr morgens nicht mehr schlafen. Ich langweilte mich eine zeitlang und weckte dann David auf. Er war not amused, aber ich konnte ihn überzeugen, dass es sich bestimmt lohnen würde, jetzt aufzustehen und mit mir die Myra-Fälle anzusehen.

Guten Morgen, guten Morgen, guten Morgen, Sonnenschein!

Natürlich behielt ich Recht. Die Myra-Fälle sind wunderschön! Und weil März und weit und breit kein Mensch in Sicht war, mussten wir auch keinen Eintritt zahlen. Man konnte toll auf Holzbrücken zwischen den tosenden Wassermassen herumklettern!

Die Myra-Wasserfälle
Über Graz ins Paradies

Wir stiegen bis an den höchsten Punkt der Wasserfälle und wieder hinunter zum Parkplatz, dann fuhren wir weiter. Damit hatten wir etwas Wichtiges getan, nämlich einen Wasserfall gesehen! Das hatten wir uns für diesen Urlaub vorgenommen. Check! Nächster Stopp: Graz!

In Graz hatte ich schlechte Laune. Wusste selbst nicht genau, wieso. Manchmal hat man eben schlechte Laune. David lud mich zu einem wunderschön bunten Zwei-Personen-Frühstück im Park’s ein, und das verfehlte seine Wirkung nicht. Chiapudding mit Obst, gebratener Tempeh, Rohkoststicks mit Dip, geröstetes Brot, Brötchen und frischer Orangensaft, und zum Nachtisch eine Kuchenecke. Mir ging’s bald wieder besser.

And I said „What about breakfast at Park’s?“

Aber mir war nicht danach, noch länger in Graz zu verweilen. Also ging’s in den Endspurt zu unserem eigentlichen Ziel – die Community DaSeinsZeit im Gesundheitsresort TamanGa bei Gamlitz! Ein wunderschöner, zauberhafter Ort mit einer liebevollen Atmosphäre.

TamanGa – welcome to paradise!

Letztes Jahr, als ich in der Community Sadhana Forest in Indien lebte, hatte ich Karin und Marco dort kennen- und liebengelernt. Obwohl uns roundabout 1.000 Kilometer von unseren jeweiligen Wohnorten trennen, versprachen wir uns, dass wir uns wiedersehen würden. Und nun war es also soweit! Ziemlich genau ein Jahr später konnten wir uns wieder in die Arme schließen und ich stellte den beiden David vor, dem ich schon so viel von den beiden erzählt hatte. Alle verstanden sich auf Anhieb gut. Karin und Marco lebten seit ungefähr einem dreiviertel Jahr in TamanGa, einem von Dr. Ruediger Dahlke ins Leben gerufenen Ort der Heilung und Rückbesinnung. Karin ist die leitende Chefköchin für die ausschließlich vegane Küche, in der nur Biozutaten verwendet werden. Marco ist, wie mir scheint, eine Art Allroundtalent mit verschiedenen Einsatzorten. Jedenfalls war er immer und überall zur Stelle, wo er gebraucht wurde. Wir hatten im Vorfeld ausgemacht, dass David und ich täglich vier Stunden Gartenarbeit verrichten und zehn Euro Kostenbeitrag pro Person und Nacht abgeben würden, dafür bekämen wir dann ein eigenes Zimmer mit Bad sowie vegane Bio-Vollverpflegung. Ist das ein Deal?!? Ja, das ist ein Deal! Wir waren ganz heiß darauf, den Gartenbereich zu sehen und endlich loszulegen!

Am Tag nach unserer Ankunft war mein Geburtstag. Wir begannen den Tag, indem wir um acht Uhr an der allmorgendlichen Meditation teilnahmen. Es gibt keinen besseren Start in einen Tag als mit einer Meditation! 2016 verbrachte ich meinen Geburtstag allein in Kancheepuram und wanderte durch die sengende Hitze eine Straße voller Wüstensand entlang zu einem Supermarkt, 2015 fiel er den schottischen Highlands zum Opfer, 2014 holte ich mir im Allgäu mit Blick auf Schloss Neuschwanstein einen Sonnenbrand, 2013 saß ich gelangweilt alleine zu Hause und häkelte meine Dreadlocks und 2012 zeigte ich David meine geliebte ehemalige Heimat Manchester und den Peak District. Ja, ich liebe es, meine Geburtstage zu ganz besonderen Tagen zu machen! Und so war auch dieses Jahr der 11. März ein ganz besonders schöner Tag für mich.

Die allerliebste Karin hatte mir einen glutenfreien Apfel-Streusel-Kuchen gebacken, den ich natürlich mit allen Anwesenden teilte. Sooo lecker!!!

Mein Geburtstagskuchen – schnell noch fotografiert, bevor er weg ist!

Ich verbrachte einen schönen Tag mit David beim Gärtnern im Gewächshaus. Unter anderem säten wir Vogerlsalat (Feldsalat) und Mangold. Nach einiger Zeit verquatschten wir uns aber mit dem Gärtner Paulo und seiner Frau. Die beiden erzählten, dass sie Ende des Monats nach Schottland in die Findhorn-Community ziehen und dort leben würden. Ich war neidisch. Ab ca. 16 Uhr hatten wir frei. David und ich genossen das sommerliche Wetter und die milden Temperaturen in einer der großartigen Schwebeliegen. Den Abend verbrachten wir bei Karin und Marco in ihrer gemütlichen Wohnung und unterhielten uns bis spät in die Nacht hinein.

Für den nächsten Tag stand ein Abstecher nach Slowenien an. Das war nämlich quasi um die Ecke. Wir schafften die Matratze und das Bettzeug aus dem Auto und fuhren zu viert rüber nach Maribor. Maribor is the future.

And the future is dreary

Es gab einen Hügel, auf den man gehen konnte, die Piramida. Oben angekommen, fotografierten wir uns alle gegenseitig.

Insgesamt verbrachten wir fünf Tage in TamanGa und verlebten eine wirklich schöne Zeit mit all den tollen Menschen dort! Aus unseren versprochenen vier Stunden Gartenarbeit pro Tag wurde allerdings nichts. Es machte so viel Spaß, gemeinsam mit den anderen draußen zu arbeiten, dass wir meistens so sieben bis acht Stunden mit dem Gärtnern (oder Garteln, wie es hier heißt) zugange waren! Und nach dem Abendessen halfen wir Marco manchmal auch beim Geschirrspülen, das war immer ziemlich lustig.

Gemeinsam etwas erschaffen – ein wunderbares Gefühl!

Es war schön, dass sich die intensiven Stunden im Garten mit der freien Zeit des Entspannens und der Meditation abwechselten. Nicht zu vergessen die täglichen Meilensteine: die opulenten, liebevoll zubereiteten, kreativen und fröhlich-lebendig-bunten Mahlzeiten, die Karin mit ihren helfenden Küchenfeen tagtäglich mit echter, riesengroßer Leidenschaft zubereitete! Jedes Büffet war ein Kunstwerk für sich!

Alles in allem hat es uns in TamanGa ausgesprochen gut gefallen und wir hoffen, dass wir bald wiederkommen können! Ich hatte das Gefühl, man wollte uns gar nicht erst gehen lassen. Es hat super viel Spaß gemacht, mit dem Gartenteam zu arbeiten! Und hätten wir mehr Zeit gehabt, wären wir auch noch länger geblieben, und hätte ich endlich eine Gärtnerinnenausbildung, wäre ich sicherlich noch sehr viel länger geblieben und dort eingezogen, aber wir wollten noch weiterziehen und die letzten verbleibenden Tage unseres Urlaubs noch ein bisschen mehr von Österreich sehen. Also hieß es Abschied nehmen von den tollen Menschen, die ich dort kennengelernt und ins Herz geschlossen habe. Karin und Marco schenkten uns zwei Postkarten (weil sie wussten, dass ich auf meinen Reisen Postkarten sammle), einen herrlich duftenden getrockneten Lavendelstrauß aus der hauseigenen Kräuterei und eine Flasche feinstes Bio-Kürbiskernöl aus der Region. Wow!!! Ich war ganz gerührt davon! Es fiel uns schwer, aber wir räumten unseren wackeren Melmoth wieder voll und fuhren weiter.

Back on track!
Pompöse Wassermassen

Unser nächstes Ziel war ein weiterer Wasserfall. Aber nicht irgendein Wasserfall! Nein, zum größten Wasserfall Europas wollten wir! Den Krimml-Fällen! Das bedeutete für uns allerdings etwa drei Stunden Autofahrt. Zum Glück waren wir auf einem Road Trip, da sind drei Stunden Autofahrt durchaus angebracht.

Ziemlich spät abends kamen wir in Krimml an, dort, wo sich sagenumwobene Wassermassen befinden sollen. Inzwischen hatten wir natürlich ein gutes Auge für Schlafplätze entwickelt und begutachteten stets unsere Umgebung aus diesem Blickwinkel. Wir wussten jetzt, dass man an interessanten Naturschauspielen gut parken konnte und dass es niemanden störte, wenn ein kleines Auto irgendwo über Nacht herumstand. So auch jetzt. In Krimml stießen wir wie erwartet auf einen für diese Jahreszeit recht überdimensionierten Parkplatz, auf dem wir die freie Platzwahl hatten. Wir stellten uns so weit weg von der Straße und den Häusern wie möglich. Diese Nacht belästigten uns weder Regen noch Schnee; das Wetter blieb ruhig.

Der folgende Morgen begann mit einem enormen Gefühl der Freiheit. Ich wachte morgens auf, lag auf dem Rücken, schaute aus dem Fenster und sah als erstes das hier:

Es ist selten, dass solch ein beeindruckendes Szenario das erste ist, das ich morgens sehe, wenn ich die Augen öffne. Ich freute mich auf den Tag!

Wir machten uns auf den Weg zum Wasserfall. Wir waren in großer Höhe und es lag viel Schnee. Am Vorabend waren wir durch etliche Skisportgebiete gefahren, in denen es von Menschen in Schneeanzügen und mit Skiern unter den Füßen nur so wimmelte. Richtige Touri-Hochburgen waren das! Wir waren froh, als wir das hinter uns gelassen hatten. Die Touristen schienen sich ausschließlich aufs Skifahren zu konzentrieren und hatten wohl nichts für den höchsten Wasserfall der Welt übrig, jedenfalls begegnen wir keinem anderen Menschen, als wir so an geschlossenen Kneipen und verrammelten Restaurants durch den Schnee stapften.

Sein Rauschen hörte man schon von Weitem. Und nach einem kleinen Marsch durch ein Waldstück tauchte er plötzlich vor uns auf – der Wasserfall!

Die unteren Krimml-Fälle

Durch das sprühende Wasser war der Schnee extrem glatt und rutschig, aber trotzdem wagten wir uns bis an den Rand dieses äußerst imposanten Naturschauspiels. Leider war der Weg zu den höheren Abschnitten des Wasserfalls gesperrt; das tat dem Ganzen aber keinen Abbruch und wir fanden, dass sich die Fahrt dorthin gelohnt hatte.

Bald fuhren wir weiter. Wir hatten uns vorgenommen, heute wieder nach Deutschland reinzufahren, und David hatte es sich sogar in den Kopf gesetzt, noch am selben Tag die 800 Kilometer bis Fruitlands zu bewältigen. Zwischendurch erhaschten wir immer mal wieder einen Blick auf die Krimml-Fälle. Wenn man davor steht, sieht man nur den unteren Teil, aber es scheint da noch sehr sehr viel weiter nach oben zu gehen!

Die Krimml-Fälle aus der Ferne

Nach einem kurzen Stopp auf einem Autobahnrastplatz, bei dem wir die letzten veganen Käsekrainer aßen, die wir seit Tagen als Proviant mit uns rumschleppten – das sind in Österreich traditionell mit Käse gefüllte Würste, die es dort eben auch in einer veganen Variante aus Seitan mit Wilmersburger-Füllung gab, sausten wir weiter zum nächsten Halt in Nürnberg, wo wir dem veganen Restaurant Veganel einen Besuch abstatteten.

Ein typisches veganes On-the-Road-Essen: Schokolade, Cräcker mit Hoummus und Streichkäse, Yofu, Vanillemilch, Vurst in Sesamöl. Ach so, und eine Kiwi, weil wir uns ja so gesundheitsbewusst ernähren. Man hat ja schließlich noch 400 Kilometer Fahrt bis zum nächsten veganen Restaurant vor sich und droht sonst zu verhungern …

David packte es tatsächlich. Er trieb den tapferen Melmoth immer weiter voran, und abends waren wir glücklich, erschöpft und angefüllt mit Erinnerungen an all die tollen Erlebnisse wieder auf Fruitlands und genossen zum Abschluss unseres aufregenden Wohnmobil-Urlaubs einen fantastischen Sonnenuntergang.

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