Blogger*

Hallo! Ich bin Alex, und ich habe diesen Blog im Dezember 2014 ins Leben gerufen, nachdem ich mich einige Monate zuvor entschlossen habe, nach meinem Bachelorstudium der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaften und Anglistik ein Sabbatjahr einzulegen und mich um mich selbst zu kümmern. Ein Sabbatjahr, das sich nunmehr bereits über mehrere Jahre erstreckt und meinen Lebensweg in bisweilen recht unkonventionelle Richtungen lenkt. Ich möchte diese Zeit nutzen, um zu mir zu finden, verschiedene Dinge auszuprobieren und soviel wie möglich zu reisen, um meinen Horizont zu erweitern. Ich beschäftigte mich außerdem damit, wie und warum was in der Welt bzw. in unserer Gesellschaft wohl funktionieren mag (oder eben nicht, obwohl es so scheint), hinterfrage vermehrt das „gutbürgerliche Leben“, das Arbeiten in Vollzeit und gegen Entlohnung, den Stellenwert des Geldes und die vermeintliche Wichtigkeit materieller Konsumgüter, suche aber auch Wege zu nachhaltigerem Leben und beschäftigte mich dadurch u.a. mit Müllvermeidung, Ressourcenschonung, CO2-Minimierung, Re- und Upcycling, Lebensmittelverschwendung, optimierter Ernährung, Solidarökonomie, Tausch- und Schenkwirtschaft sowie Permakultur und Selbstversorgung. Und irgendwo dazwischen, dadrunter, mittendrin tauchen immer wieder die Fragen nach dem eigenen Ich auf. Welche Rolle spiele ich bei all dem? Was macht meine Individualität aus? Wer bin ich denn nun? Und warum bin ich so geworden, wie ich bin, und was wird sich im Laufe meines Lebens daran verändern? Wie agiere ich in dieser Welt? Wie wichtig bin ich als einzelner Mensch? Was kann ich besser machen? Und so weiter. Und so fort.

Seit Juli 2016 besitzen mein Mann David und ich einen 100 Jahre alten Bauernhof, den wir Fruitlands tauften und seitdem als bio-veganes Selbstversorgungsprojekt nach Permakultur-Prinzipien mit Obst und Gemüse bewirtschaften. Wir verstehen unseren Hof als spirituellen, kreativen Ort für persönliche Weiterentwicklung, Selbstentfaltung, Rückbesinnung auf die eigenen Werte und Zentrierung des Geistes. Wir gehen achtsam und respektvoll mit der Natur und den hier lebenden Tieren um. Daher bestehen wir, neben der Selbstverständlichkeit des wertschätzenden Umgangs miteinander, auch darauf, dass sich alle Besuchenden für die Dauer ihres Aufenthalts auf unserem Hof ausschließlich rein vegan ernähren. Willkommen sind uns alle, die dies uneingeschränkt akzeptieren und respektieren.

Ich bin ein Stern!

Anfang 2020 hatte ich in der Öffentlichkeit und in meinem sozialen Umfeld mein Coming-Out als transgender und nonbinary Person, kurz: Enby, und bin froh, endlich meine richtige Identität frei auszuleben. Seitdem schreibe ich in diesem Blog auch vermehrt über Queerness und queeres Erleben vor und nach dem inneren und äußeren Coming-Out.

Und weil der Asterisk (*) allgemein gerne als Symbol für genderneutrale oder -umfassende Wortendungen verwendet wird, bezeichne ich mich als Stern. Mein Pronomen ist ze/hir, im Englischen they/them, eine Anrede habe ich nicht, sondern möchte einfach mit Vor- und Nachnamen (beim Siezen) oder nur mit Vornamen (beim Duzen) angesprochen werden.

 

 

Don’t stop walking

walkingIch liebe es, in der Welt herumzureisen. Wie ich das finanziere, kann ich selber schlecht erklären. Eigentlich bin ich nämlich so gut wie immer abgebrannt, obwohl ich jeden Gelegenheitsjob mitnehme, den ich trotz meines chaotischen Lebenslaufs erwischen kann. Entweder ist das Geld da, oder eben nicht, und oft genug habe ich meinem geduldigen Mann schon mit irgendwelchen Spontantrips auf der Tasche gelegen, wenn ich plötzlich knapp bei Kasse war. Auch tausche ich gerne meine Arbeitskaft dort gegen vegane Kost und Logis ein, wo ich dann für einige Zeit leben darf. Ich habe zwar keinen geregelten Vollzeitjob wie die meisten anderen Menschen der westlichen Welt, aber arbeitsscheu bin ich ganz bestimmt nicht. Es muss bloß eine Tätigkeit und eine Umgebung sein, die ich liebe, die mich erfüllt und mir Spaß macht! Ich brauche einen stetigen Wandel in meinem Leben, Stillstand ist für mich ein Albtraum. Es vergeht kein Jahr, in dem ich nicht in eine mir unbekannte Gegend fahre, um sie kennenzulernen – und sei es im worst case nur ein Wochenendtrip innerhalb Deutschlands! Außerdem bin ich seit meinem 19. Lebensjahr alle 0,5 bis 3 Jahre in eine andere Wohnung in immer eine andere Stadt gezogen, bis ich mich schließlich — zumindest offiziell mit Meldeanschrift — auf unserem Selbstversorger-Hof dauerhaft niederließ. Jetzt fühle ich mich noch flexibler und für alle Abenteuer gewappnet, denn nun gibt es diesen sicheren Hafen in meinem Leben, zu dem ich immer wieder zurückkehren kann. Travelling the world — a neverending story!

Dauerzustand „pennilessness“

Geld kann man immer ganz gut gebrauchen, wenn man nicht so konsequent geldfrei lebt, wie ich es gerne hätte. Ich jobbe mich meistens immer von einer Reise zur nächsten. Sobald sich ein Sümmchen angesammelt hat, überkommt mich in aller Regelmäßigkeit dieser Drang, unbedingt jetzt sofort, am besten gestern noch, aber ganz bald endlich mal das und das Land zu bereisen, weil ich da doch schon immer mal hinwollte, und überhaupt! Im Laufe meines Lebens habe ich deshalb schon alles Mögliche an Jobs gemacht: Zum Beispiel russischsprachige Sticker auf Würstchendosen geklebt, ziemlich seltsame maschinengeschriebene „positive Briefe“ eines älteren Herren auf dem Computer abgetippt, ich machte Inventur bei Karstadt, arbeitete als Sekretärin in einem gerüchemessenden Unternehmen, habe auf einigen Gemüsehöfen und Communities bei der Gartenarbeit mitgeholfen (aber eigentlich nie so richtig gegen Entgelt), ich hatte gleichzeitig mehrere Stellen als Putzfrau in drei Privathaushalten, einem Büro und in einer Yogaschule, verkaufte drei Tage lang Feuerwerk im Supermarkt und half gelegentlich in einem Literaturbüro dabei, eine meistens jeweils vier- bis fünfstellige Zahl Flyer oder Programmhefte für ihre Veranstaltungen zu versenden. Eine zeitlang trug ich samstags in meinem Heimatdorf Zeitungen aus, die eigentlich nur ein zeitungsimulierendes Umblatt für ein Riesenpaket Werbeprospekte sind und verkaufte im Sommer am Straßenrand Erdbeeren und Spargel.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: