Fruitlands

Seit ich denken kann, habe ich mir einen eigenen Bauernhof gewünscht. Schon als Kleinkind habe ich mir mit meiner damaligen besten Freundin ausgemalt, dass wir „später“ zusammen auf einem Bauernhof leben und da alle Lebensmittel selber anbauen und uns ganz viele Tiere halten, damit ich nie nie niemals arbeiten gehen muss. Es zogen 34 Jahre ins Land, bis dieser Traum vom eigenen Hof endlich wahr wurde, und dass das mit der Tierhaltung natürlich Humbug ist, ist mir inzwischen zum Glück auch klargeworden.

Auf dem Jakobsweg im April/Mai 2016 fassten David und ich den Entschluss, uns für das kommende Jahr ernsthaft nach einer eigenen Immobilie umzutun. Den Immobilienmarkt habe ich allerdings schon jahrelang wöchentlich konsequent im Auge gehabt und mich stets darüber auf dem Laufenden gehalten, was wo zu welchen Preisen angeboten wird. Noch auf dem Jakobsweg recherchierte ich dann wie gewohnt auf den einschlägigen Immobilienportalen und entdeckte nach all den Jahren plötzlich das, wonach ich immer gesucht hatte. Einen Bauernhof, der einfach perfekt für uns war. Der Hof würde uns in seiner Beschaffenheit alles ermöglichen, was wir mit und auf einem Hof verwirklichen möchten. Sowohl Davids als auch meine Träume und Wünsche, die wir auf und mit einem eigenen Grund und Boden realisiert sehen möchten, könnten mit eben jenem Hof tatsächlich zu 100% umgesetzt werden: eine Auto-, Fahrrad- und Computerwerkstatt, ein nicht zu großes Wohnhaus, eine eigene Schreibstube für mich, eine Meditationshütte, ein Gäste-/Wwoofer-/Airbnb-/Pilger-Haus, sogar ein Kinosaal, ein Hofladen und ein Yoga- oder Seminarraum sind dort durch die Anzahl und Art der Gebäude machbar. Von den 10.400 Quadratmetern Land, die außerdem dazugehören und uns damit die Selbstversorgung ermöglichen würden, ganz zu schweigen.

Nach zwei Besichtigungen, vielen Telefonaten, eMails, Hürden, Stolpersteinen und Rückschlägen — gerade, was die Finanzierungsfrage angeht, denn wir hatten ja noch gar kein Eigenkapital für dieses wahnwitzige Unterfangen — hatten wir schließlich in letzter Minute ein sicheres Darlehen in der Tasche und nahmen am 12. Juli 2016 an der Zwangsversteigerung der Immobilie teil. Unser einziger Konkurrent war ein Mann aus Belgien, der das Grundstück als Obstplantage nutzen wollte. Das konnten wir natürlich nicht zulassen, also gaben wir in jener nervenaufreibenden halben Stunde der Auktion hartnäckig immer höhere Gebote ab, mit denen unser Widersacher zunächst selbstsicher mithielt. Bis er schließlich klein beigab und uns den Bauernhof überließ. Als der Hammer fiel und wir für das Protokoll rechtskräftig als die neuen Eigentümer genannt wurden, war das ein unwirklicher Moment für uns. Obwohl wir viel höher geboten hatten als geplant, war der Hof dennoch ein absolutes Schnäppchen weit unter seinem Wert. Nicht einmal 65% des (fünfstelligen) Marktpreises haben wir bezahlt, und selbst der war wegen der abgelegenen Lage des Grundstücks und seines verwahrlosten Erscheinungsbildes schon extrem niedrig.

So sind also relativ spontan und trotz jahrelanger Planung ziemlich ungeplant von heute auf morgen unsere uralten Träume Realität geworden. Unser Hofprojekt, das wir seitdem wie beschrieben als bioveganen Selbstversorgerhof mit Selbstverwirklichungsraum aufziehen, tauften wir in Anlehnung an eine im weit entfernten Sinne ähnliche Utopie aus dem 19. Jahrhundert auf den Namen Fruitlands. Viel haben wir seit dem Erwerb im Juli schon angepackt; der wöchentliche Fortschritt ist unverkennbar, das Gesicht des alten Bauernhofs befindet sich im stetigen Wandel, und es warten noch eine Menge Aktivitäten auf uns, bis wir alles schließlich so nutzen können, wie wir es gerne möchten.

Fruitlands hat eine eigene Webpräsenz, auf der David und ich über alle Fortschritte berichten und auf der alles Wissenswerte über das Hofprojekt zu lesen und zu sehen ist. Du findest sie auf http://www.fruitlands.de und wir freuen uns natürlich über interessierte Leserinnen und Leser!

Fruitlands